AGES-Untersuchung

Keine EHEC-Keime in Gemüseproben entdeckt

Österreich
01.06.2011 17:14
Bei Gemüse und Obst in Österreich, das im Auftrag des Gesundheitsministeriums auf mögliche EHEC-Keime untersucht wurde, sind bisher keine derartigen Erreger gefunden worden, wie Pamela Rendi-Wagner, Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit, am Mittwochnachmittag mitteilte. Dennoch leiden die österreichischen Bauern enorm unter der EHEC-Angst der Konsumenten. Der jüngste Verdachtsfall in einem Spital in Niederösterreich wird diese wohl kaum abklingen lassen (siehe Infobox).

Die bisher vorliegenden Ergebnisse betreffen spanische Gurken sowie Paradeiser, Paprika und 16 Salatsorten auch aus anderen Ländern. Bisher wurde in keiner der untersuchten Gemüsesorten ein EHEC-Erreger entdeckt. Bis dato liegen von 22 der insgesamt 130 gezogenen Proben die Analyse-Ergebnisse vor. Die weiteren Ergebnisse sollen am Freitag folgen, sagte die Generaldirektorin. 

Landwirte leiden unter EHEC-Angst
Trotz der positiven Nachrichten aus Österreich, fürchten die Konsumenten den Verzehr von frischem Gemüse, vor allem von Gurken. Diese Angst trifft besonders die österreichischen Landwirte. Allein LGV-Frischgemüse, Österreichs größter Gemüsevermarkter, ließ am Mittwoch 200.000 Stück Gurken vernichten. Bis Ende der Woche rechnet die LGV mit bis zu einer halben Million zu entsorgender Gurken und einem Schaden von 200.000 Euro.

Für eine heimische Gurke zahlt der Handel den Landwirten rund 40 Cent. Was wenig klingt, bei den weggeworfenen Stückzahlen aber schnell ins Geld geht. "Diese Woche werden es Einbußen in der Höhe von 200.000 Euro sein", sagte LGV-Vorstand Gerald König, dessen Unternehmen im Jahr knapp 38 Millionen Gurken verkauft. Die Hysterie vor dem EHEC-Keim habe sich aber "glücklicherweise" nicht auf andere Produkte wie Tomaten oder Salate übertragen, hier seien die Einbußen gering.

Um nicht alle Gurken vernichten zu müssen, werde versucht, möglichst viele an Sozialmärkte zu liefern oder zu Suppen weiterzuverarbeiten. Dennoch werde man Hunderttausende Gurken wegwerfen müssen. Die Entsorgung übernehmen akkreditierte Unternehmen. "Wahrscheinlich landet ein Teil des Gemüses in Biogasanlagen", so König weiter.

Enormer Rückgang bei Gurken
Beim Lebensmittelhändler Spar wichen "Konsumenten auf anderes Gemüse aus", sagte Pressesprecherin Nicole Berkmann. Am Dienstag sei der Gurkenabsatz in einigen Spar-Filialen um 30 Prozent zurückgegangen, bei Tomaten gebe es dagegen nur einen "kleinen Rückgang". Bei allen anderen Gemüsesorten "merke man nichts", so die Pressesprecherin.

Bei Billa und Co. ist man mit der Medienberichterstattung zu EHEC unzufrieden: "Die Konsumenten werden durch Medienberichte stark verunsichert", sagte Rewe-Pressesprecherin Corinna Tinkler. "Hier werden Bauernexistenzen zerstört." Man habe nur österreichische Gurken im Sortiment, betonte Tinkler. Rewe mit Billa, Merkur, Penny und Adeg verzeichneten am Montag einen Absatzeinbruch bei Gurken von rund 60 Prozent. Bei anderen Gemüsesorten sei der Rückgang "nicht dramatisch".

Deutsche Bauern beklagen Schaden in Millionenhöhe
Besonders schlimm trifft es allerdings die deutschen Bauern: Die EHEC-Krise hat für Umsatzeinbußen in Millionenhöhe gesorgt. "Unsere Gemüsebauern haben jetzt wöchentlich einen Schaden von 30 Millionen Euro", sagte der Präsident des Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, am Mittwoch dem Fernsehsender N24. Das Gemüse müsse untergepflügt oder vernichtet werden. Dies sei ein "dramatischer Zustand".

Sonnleitner kritisierte außerdem die Experten-Warnungen vor bestimmten Gemüsesorten: "Diese Festlegung auf Gurken, Tomaten und Salat hat zum einen die Ausbreitung der Seuche nicht verhindert und auf der anderen Seite für die Landwirtschaft einen extrem riesigen Schaden verursacht."

Spanien verlangt Schadensersatz für Bauern
Dieser Kritik schließen sich auch die Spanier an und verlangen nun Schadensersatz für die Millionenverluste, die ihre Landwirten infolge der EHEC-Krise verbuchen müssen. Madrid schließe auch rechtliche Schritte gegen die Behörden in Hamburg nicht aus, sagte der spanische Vizeregierungschef Alfredo Perez Rubalcaba am Mittwoch.

Es sei von Anfang an klar gewesen, dass Spanien nicht der Ausgangspunkt der EHEC-Darminfektionen gewesen sein könne. "Ein Erreger dieser Art war in Spanien noch nie aufgetreten", sagte Rubalcaba dem Radiosender Cadena SER. "Das heißt, es gibt die Bakterien hier in Spanien nicht. Und wenn es sie hier nicht gibt, ist die Krankheit auch nicht von Spanien ausgegangen."

EU-Kommission: "Das Ganze geht von Hamburg aus"
EU-Gesundheitskommissar John Dalli erklärte am Mittwoch in Brüssel zur EHEC-Krise, das "Ganze geht von Hamburg aus". Allerdings müsse man jetzt den Ursprung der Kontamination mit dem Durchfallerreger finden, gleichzeitig sollte die Bevölkerung "nicht überreagieren". Auf den Konflikt zwischen Spanien und Deutschland angesprochen, sagte Dalli: "Ehrlich gesagt will ich nicht den Richter spielen im Streit zwischen einem Land und einem anderen."

In Hamburg waren in der vorigen Woche EHEC-Erreger auf Gurken aus Spanien festgestellt worden und daraufhin erging die Warnung, beim Verzehr spanischer Produkte besonders vorsichtig zu sein. Die Gesundheitsbehörden der Hansestadt stellten am Dienstag jedoch klar, dass es sich dabei nicht um die Keime handelte, die die schweren Darminfektionen auslösen.

Zahl der Erkrankungen steigt unaufhörlich
Während nun weiter fieberhaft nach der Quelle des EHEC-Keims gesucht wird, steigt die Zahl der Erkrankungen in Deutschland immer noch an. Das Robert-Koch-Institut meldete am Mittwoch mindestens 470 Fälle des von dem Erreger ausgelösten sogenannten hämolytisch-urämischen Syndroms, das zu akutem Nierenversagen führen kann. Am Dienstag hatte das RKI noch 373 HUS-Fälle registriert.

Hunderte Menschen infizierten sich in den vergangenen Wochen vor allem in Norddeutschland mit dem potenziell gefährlichen Darmkeim. Deutschlandweit sind nach Angaben der Landes-Gesundheitsbehörden mindestens 15 Patienten gestorben.

Erster Verdachtsfall in Niederösterreich
Auch in Österreich ist nun ein erster Verdachtsfall gemeldet worden. In Niederösterreich ist ein Mann ins Landesklinikum St. Pölten eingeliefert worden, bei dem eine Infektion mit dem gefährlichen Darmkeim vorliegen könnte. Erste Testergebnisse werden am Donnerstag erwartet.

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