Fr, 16. November 2018

Geldgrab im Wald

31.05.2011 13:01

Millionenprozess um Zach-Parkett-Pleite eröffnet

Das Verfahren gegen Franz Zach, Geschäftsführer der insolventen südsteirischen Zach Parkett GmbH, hat am Dienstag im Grazer Straflandesgericht begonnen. Der 47-jährige Unternehmer gestand, Bilanzen gefälscht und damit Banken getäuscht zu haben, doch er war überzeugt, dass er die Firma mit seinem Sanierungskonzept noch vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren hätte können. Die Verteidigung bezeichnete ihren Mandaten als "manisch".

Die Vorwürfe von Staatsanwalt Heinrich Bubna-Litic wurden am ersten Verhandlungstag umfangreich dargestellt: Zum einen geht es um das Finanzstrafverfahren, in dem der Angeklagte sich wegen seiner seit vermutlich 2002 teilweise gefälschten Bilanzen rechtfertigen muss. Damals habe Zach sein Einzelhandelsunternehmen in die GmbH umgewandelt und "zu rasch expandiert".

Laut Bubna-Litic sei das von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Als gelernter Bilanzbuchhalter habe er das auch bald erkannt und die Bilanzen zu manipulieren begonnen, um noch Gelder von den Banken zu bekommen.

Staatsanwalt: 2,9 Millionen Euro an Abgaben hinterzogen
Der Angeklagte habe ein "System A" in der Buchhaltung gehabt, in dem alles korrekt war, aber es existierte auch das versteckte "Kassasystem B": "Das war Schwarzgeld - und zwar alles, vom Einkauf über den Transport, die Bezahlung der Arbeiter und die Verrechnung beim Kunden." Er soll Mitarbeiter im November abgemeldet, sie "schwarz" weiterbeschäftigt und im Februar wieder angemeldet haben. Erst nach einem Streit mit einem Filialleiter, der Anzeige erstattete, sei alles aufgeflogen. Bubna-Litic sprach von rund 2,9 Millionen Euro, die an Abgaben hinterzogen worden seien.

Schwarzgeld im Wald vergraben
Weiters habe der Angeklagte die Banken mit gefälschten Bilanzen getäuscht - und damit schweren Betrug begangen - und sei laut Gutachter mit Ende 2006 zahlungsunfähig gewesen. Doch der 47-Jährige habe weitergemacht und sowohl den Banken Geld als auch den Firmen Waren unter Vorspiegelung von Zahlungsfähigkeit herausgelockt. Zudem soll Zach mehr als 50.000 Euro an Schwarzgeld aus der Unternehmung für sich kassiert und Firmengelder von seiner mitangeklagten Bürokraft und Ex-Lebensgefährtin abheben und im Wald vergraben haben lassen. Dazu kommen noch der Verstoß gegen das GmbH-Gesetz wegen der falschen Bilanzen, nicht bezahlte Dienstnehmerbeiträge an die Sozialversicherung, eine Unterschlagung und der Gebrauch fremder Ausweise: "Sie sind ohne Führerschein besoffen mit dem Auto gefahren und haben auch noch den Führerschein des Bruders vorgewiesen."

Die zwei Verteidiger von Zach, der seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, wollten den "Teufel im Detail" sehen und meinten, dass einige Berechnungen des Finanzamts nicht richtig seien. Betrug liege nicht vor, da kein Vorsatz der Schädigung und unrechtmäßiger Bereicherung existiere. Stattdessen sei Zach "vom Erfolg besessen": Er habe wahrscheinlich eine bipolare Störung, sei "manisch" und "war wie ein Hamster im Rad", so die Verteidigung. Ein psychologisches Gutachten soll erstellt werden.

Zach teilweise geständig
Während sich die Zweitangeklagte voll inhaltlich geständig zeigte, gestand Zach nur die Fälschung seiner Bilanzen seit 2004. Zahlungsunfähig sei er seiner Meinung nach erst im Juni 2009 gewesen - als die Steuerfahndung kam. Bankbetrug will er in keinem der zig Fälle begangen haben, denn er habe die Darlehen zurückzahlen wollen. Schwarzgeld selbst eingestreift haben will er nur "ein paar Tausend Euro". Die unterlassene Abgabe der Dienstnehmerbeiträge und die Verwendung eines fremden Führerscheins gab er zu.

Die detaillierte Einvernahme zu den einzelnen Anklagepunkten sowie die Hörung des Sachverständigen ist für Mittwoch, geplant. Die Verhandlung dürfte vermutlich bis Mitte Juni dauern.

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