Do, 21. Juni 2018

Familiendrama

25.05.2011 15:10

Prozess: Papa hat "der Oma Messer reingesteckt"

Zweiter Tag im Mordprozess um den Türken, der bei einer Attacke auf seine Ex-Frau die eigene Schwiegermutter getötet haben soll, die sich ihm in den Weg gestellt hatte: Am Mittwoch wurden am Wiener Landesgericht die erschütternden Video-Zeugenaussagen der Ex-Frau und der beiden Kinder vorgespielt. Der siebenjährige Sohn und die achtjährige Tochter hatten die Bluttat aus nächster Nähe miterleben müssen.

"Unser Leben ist zerstört", meinte die junge Frau, die nur knapp die Messerattacke überlebt hatte. Ihre eigene Mutter starb 43 Tage später an jener schweren Verletzung, die ihr beim Versuch, ihre Tochter zu retten, von dem 32-jährigen Türken zugefügt worden sein soll.

Ihr Ex-Mann soll, als er die Kinder heimbrachte, nach einem kurzen Wortwechsel ein Messer gezogen und die 16 Zentimeter lange Klinge derart wuchtig in den Körper der Frau gestoßen haben, dass nicht nur Leber- und Lungenlappen sowie Zwerchfell durchbohrt wurden, sondern die Spitze am Rücken der zierlichen Frau wieder zum Vorschein kam. Zudem wurde sie durch eine Abwehrbewegung schwer an der rechten Hand verletzt. Bis heute leidet die mittlerweile 29-Jährige an Schmerzen und Beeinträchtigungen sowie den psychischen Folgen.

Bewegende Schilderung von Familiendrama
Nach Darstellung der Frau hatte ihr Mann selbst die Scheidung verlangt. "Er hatte einen guten Job, konnte genug Deutsch und hatte ein eigenes Visum", so das in Österreich aufgewachsene Opfer. Als er jedoch sein ganzes Geld verspielt hatte, wäre er bereit gewesen, die Ehe wieder aufzunehmen, woran sie aber kein Interesse mehr gehabt habe.

In bewegenden Worten erzählte die 29-Jährige von der Unmöglichkeit, weiterhin in der damals noch blutbesudelten Wohnung zu leben. Sie habe aus der Gegend, in der sie aufgewachsen war, wegziehen müssen und hoffe auf einen Neuanfang im neuen Heim. Sie und ihre Kinder seien weiterhin in psychotherapeutischer Behandlung.

Achtjährige Tochter per Videoaussage gehört
Die achtjährige Tochter schilderte auf einer Videoaufnahme schluchzend den Angriff ihres Vaters auf ihre Mutter und Großmutter - während der Angeklagte keine sichtbaren Emotionen zeigte. "Der Papa hat gesagt, er werde etwas ganz Schreckliches tun: Die Mama töten und dann sich", erzählte die Kleine. Doch was das Mädchen daraufhin mit seiner Mutter am Telefon gesprochen hat, daran konnte oder wollte sich das Kind nicht mehr erinnern. Dass der Vater sie dann bis zur Wohnungstür gebracht hatte, obwohl ihm das aufgrund des Betretungsverbots nicht erlaubt war, habe die Achtjährige erschreckt.

"Dann hat der Papa der Oma ein Messer reingesteckt"
"Ich habe gesehen, dass der Papa ein Messer hat, Mama wollte noch die Türe zumachen und Oma hat gerufen 'lauf weg, lauf weg' und dann hat der Papa der Oma ein Messer reingesteckt und damit herumgewackelt", schluchzte die Kleine. In ihrem verzweifelten Bemühen, Hilfe zu holen, lief sie in den nächsten Stock, doch die Nachbarn waren nicht zu Hause. Auch eine Tante, die sie mit dem eigenen Handy anrufen wollte, hob nicht ab. Schließlich lief sie in die Einfahrt zu ihrer Mutter und dann wieder in die Wohnung zur schwer verwundeten Großmutter.

Der Bruder hatte zwar auch die "Rauferei" zwischen den Eltern gesehen, war aber die ganze Zeit in der Wohnung geblieben. Traumatisch war für ihn wohl die Erstversorgung der Großmutter durch die Rettung. Bis er mit seiner Schwester in ein anderes Zimmer geschickt wurde, konnte er deren Wunde genau sehen und bei seiner Videoaussage entsprechend beschreiben.

Der Prozess wird am Montagnachmittag mit den Plädoyers fortgesetzt. Für diesen Tag ist auch das Urteil zu erwarten.

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