Als Leiter des Franz Michael-Felder Archivs der Vorarlberger Landesbibliothek sorgt Dr. Jürgen Thaler dafür, dass Literatur in Vorarlberg gesammelt und archiviert, vor allem aber regelmäßig live präsentiert wird.
Wer der Meinung sein sollte, „Vergleichende Literaturwissenschaft“ sei ein trockenes Thema, wissenschaftlicher Bibliothekar ein eintöniger Beruf oder das Franz Michael Felder-Archiv eine verstaubte Institution, der hat noch nie mit Jürgen Thaler gesprochen oder gearbeitet.
Nicht nur, dass der 53-Jährige seine unterschiedlichen Tätigkeiten selbst als „spannende und herausfordernde Wissenschaft jenseits des Fußnoten-Fetischismus“ sieht, er vermittelt Literatur in Form von Lesungen, Ausstellungen und Vorträgen auf abwechslungsreiche und kurzweilige Weise und erntet dafür erstaunliche Resonanz: „Unsere bislang vier Veranstaltungen in diesem Jahr waren ausverkauft. Chapeau an das Vorarlberger Publikum!“
Literatur war seit jeher Jürgens Steckenpferd: „Mit 15 Jahren fing ich mit Bernhard, Jelinek und Handke an - und ich schätze sie noch heute. Von Bukowski, Böll oder Hesse habe ich mich früh verabschiedet - wahrscheinlich zu Unrecht“, scherzt der in Höchst geborene Vielleser.
So lag ein Studium der Germanistik, Literaturwissenschaften und Publizistik, das ihn von Wien über Berlin nach Jerusalem führte, auf der Hand. Auch wenn Jürgen keine Karriere als Journalist oder Schriftsteller anstrebte. „Für das Schreiben von Literatur bin ich nicht prädestiniert“, gibt er offen zu. Als Kommentator, Bewerter und Förderer des vor allem heimischen Literaturbetriebes sind seine Talente aber kaum zu überschätzen.
Ein Buchwunsch zu Felders Kindern
„Michael Krüger, der ehemalige Chef des Hanser-Verlags, hat einmal gemeint, dass es in Vorarlberg mehr gute Schriftsteller gebe als in der ganzen Schweiz.“ Diesem Befund stimmt der Fan von Bob Dylan und der „jungen Vorarlberger Szene“ durchaus zu: „Ich freue mich immer, wenn wir wieder neue literarische Stimmen am Start haben, wie jetzt etwa Sarah Kuratle oder Mathias Müller.“
Und so werden dem Vater von zwei Töchtern die Autoren sicher nicht ausgehen. In absehbarer Zeit sind etwa Abende mit Wolfgang Hermann, A. R. Strubel und Ferdinand Schmalz geplant. Und als Leiter des Felder-Archivs ist natürlich auch der Namensgeber allgegenwärtig in Jürgens Arbeit: „Ich möchte gerne ein Buch schreiben über die Kinder von Franz Michael Felder. Über Jakob, Hermann, Kaspar, Maria Katharina und Martin. Und ich will das Felder-Archiv insgesamt weiterentwickeln, in vielerlei Richtungen“, lauten die Pläne des umtriebigen Literatur-Vermittlers, der sich freut, „hier meinen Traumjob gefunden zu haben!“ Beneidenswert...









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