So, 22. Juli 2018

Unvollkommen schön

25.05.2011 15:40

Dem Tode geweiht: Javier Bardem in "Biutiful"

Die einsame Suche nach Schönheit und Vergebung im Angesicht des Todes beherrscht Alejandro Gonzalez Inarritus neuesten Film "Biutiful". Mit Javier Bardem als zum Tod geweihter und vom Schicksal verschmähter Kleinkrimineller in der Unterwelt Barcelonas gelingt dem mexikanischen Regisseur nach "Amores perros", "21 Gramm" und "Babel" sein bisher eindrücklichstes Werk. Für seine außergewöhnliche Darstellung des todkranken Uxbal wurde Bardem in Cannes ausgezeichnet und für einen Oscar nominiert.

Uxbal lebt nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Im Immigrantenviertel Barcelonas schlägt er sich als Kleinganove durch, besticht Polizisten für senegalesische Straßenhändler und vermittelt chinesische Schwarzarbeiter. Im ständigen Kampf, sich und seine zwei Kinder Ana und Mateo über Wasser zu halten, schiebt er die eigene Gesundheit beiseite - und erhält schließlich die Diagnose Prostatakrebs im Endstadium.

Er hatte zu lange gewartet, ist nie zum Arzt gegangen. Der Endlichkeit seiner Zeit bewusst, versucht er in den letzten Wochen seines Lebens, Ordnung zu schaffen und lässt auch seine alkoholkranke, manisch depressive Ex-Frau wieder in sein Leben. Manche seiner Vorhaben scheitern aber auch kläglich und nehmen tragische Ausmaße an.

"Papa, wie schreibt man 'beautiful'?", fragt Ana ihren Vater bei ihren Englisch-Hausaufgaben. "So wie man es ausspricht", entgegnet er ihr. Das dem Film seinen Namen gebende "biutiful" ist die unvollkommene, vergängliche Schönheit, die Uxbal sowohl in seinem Leben als auch der Zuseher in dem harten, teils verstörenden Film entdeckt. In den Momenten der Erniedrigung, in denen Uxbal sich bei der Überwältigung durch Polizisten in die Hose macht oder eine Windel trägt, fährt der spanische Charakterdarsteller Bardem zur Höchstleistung auf. Sein markantes Gesicht, seine in die Leere starrenden Augen sind den ganzen Film hindurch in zahlreichen Großaufnahmen zu sehen.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Vor dem Hintergrund eines rauen Neorealismus inszeniert Regisseur Inarritu in visuell geißelnden fiebrigen Handkamerabildern die Geschichte eines modernen Märtyrers als wuchtige Reflexion über Moral und verstörende Endlichkeit. Ein herzzerreißendes filmisches Requiem für alle Väter, die zu früh gingen.

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