So, 24. Juni 2018

Inadäquater Lohn?

25.05.2011 08:54

Grazer Gericht gehen die Gutachter aus

Ein Gutachten ist oft entscheidend für einen Prozess. Zwischen einer Affekthandlung und einem kaltblütigen Mord liegen Haftjahre. Auch wenn es um frühzeitige Entlassungen geht, ist das Urteil eines Mediziners von Bedeutung. Gutachten sind zeitaufwändig, die Bezahlung ist aber inadäquat - sagen die, die es wissen müssen.

"Das Problem ist, dass ärztliche Sachverständige zeitunabhängige, fixe Gebühren haben", schildert Helmut Krischan, der Vizepräsident des Grazer Straflandesgerichts die Problematik. Der im Gesetz festgelegte Tarif für psychiatrische Gutachten liegt bei 116,20 Euro. Wenn eine besonders eingehende Begründung erwünscht ist, erhält der Gutachter etwa 195 Euro.

"Zurzeit geht es zum Beispiel gerade um einen Sittlichkeitstäter, der aus dem Gefängnis kommen soll - wo finden wir aber einen Sachverständiger, der sich mit dem Fall beschäftigt?", fragt sich der Gerichts-Vize zu Recht. Immerhin geht es dabei auch um Entscheidungen, wann Hochkriminelle wieder auf die Menschheit losgelassen werden können. "Zurzeit gibt's bei uns nur einen einzigen Sachverständigen."

"Wollen faires Angebot"
Der Mediziner Peter Hofmann ist seit 15 Jahren in der Gerichtspsychiatrie tätig. "Es ist fachlich eine große Herausforderung. Man muss Stellung beziehen", erzählt der Experte. Man hat mit schwierigem Klientel zu tun und braucht ein Gespür. "Die meisten Täter erzählen dir ja das Blaue vom Himmel, bagatellisieren die Tat oder leugnen sie." Eine seriöse psychiatrische Untersuchung ist dementsprechend zeitaufwändig. Doch der zusätzliche Zeitaufwand - wie etwa herbeiziehen der Krankengeschichte oder Gespräche mit dem Umfeld - wird nicht abgegolten.

"Wir bräuchten mehr Zeit. Ein Gutachten ist aufwendig und eine große Verantwortung", sagt Hofmann, der jetzt kaum noch Gerichtsgutachten erstellt. "Uns geht es darum, alles auf ein gedeihliches Niveau zu heben, dafür brauchen wir aber ein faires Angebot." Demnächst will Hofmann in der Causa bei Justiziministerin Karl vorstellig werden.

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