Mi, 19. September 2018

Hausfrauen-Klischee

23.05.2011 15:20

Studie sieht bei Jungen traditionelle Rollenbilder

Von einer "Lost Generation", wie Erwachsene ihre jungen Mitmenschen mitunter betrachten, kann hier nicht die Rede sein. Bei Österreichs 14- bis 24-Jährigen finden sich nämlich durchaus - oder immer noch - traditionelle Rollenbilder: steile Karriere für den Bursch, große Familie für das Mädel. Das vom "Jugendmonitor" des Familienministeriums vermittelte Bild zeigt sogar mehr Klischees, als manch einem lieb sein könnte - etwa bei der Bereitschaft zum Hausfrauenleben, bei Kinderbetreuungsfragen und Teilzeit.

Fast drei Viertel der 800 befragten Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen zwischen 14 und 24 Jahren wollen den Studien-Resultaten zufolge selbst einmal eine eigene Familie. Starke Geschlechterunterschiede gibt es laut Motivforscherin Sophie Karmasin, die die Studie im Auftrag des Familien- und Jugendministeriums von Reinhold Mitterlehner (ÖVP) durchführte, beim Thema Ehe: Einmal zu heiraten erachten 60 Prozent der jungen Frauen, aber nur 34 Prozent der jungen Männer für sehr oder eher wichtig.

Kinderwunsch und Realität zwei Paar Schuhe
"Sehr stark ausgeprägt" sei der Kinderwunsch, so der Politikwissenschafter Peter Filzmaier, der ebenfalls am "Jugendmonitor" mitarbeitete: 55 Prozent der befragten Frauen und 36 Prozent der befragten Männer wollen auf jeden Fall einmal Kinder haben. Insgesamt 40 Prozent meinten, sie wüssten es noch nicht, sechs Prozent schlossen Kinder aus.

Die Mehrheit, nämlich 62 Prozent, will zwei Kinder - die Größe des Wohnortes oder die Region spielten dafür praktisch keine Rolle. Mitterlehner verwies am Montag allerdings darauf, dass es mit einer Fertilitätsrate von 1,41 eine Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gebe, ebenso beim Alter des ersten Kindes.

Hausfrau und Karenz vor Krippe und Hort?
Klare Vorstellungen haben die Jugendlichen, was Kinderbetreuung betrifft: 77 Prozent sind der Meinung, Kinder bis drei Jahre sollten hauptsächlich von den Eltern zu Hause betreut werden. Die Betreuung Drei- bis Sechsjähriger sieht die Mehrheit von 57 Prozent in einem Kindergarten. Die eigene Bereitschaft, beim Kind zu bleiben, unterscheidet sich davon: 36 Prozent der Frauen wollen bis zum dritten Lebensjahr beim Kind bleiben, rund jeder zweite befragte Mann hat noch keine Vorstellung dazu.

Sehr traditionelle Vorstellungen ortet Karmasin beim Thema Teilzeit: 85 Prozent der Frauen können sich vorstellen, für eine gewisse Zeit Teilzeit zu arbeiten, um sich um die Kinder zu kümmern, bei den Männern sind es nur 31 Prozent. Ein Ausgleich zwischen Familie und Beruf ist 76 Prozent der Frauen, aber nur 53 Prozent der Männer wichtiger als Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen. Wenn der Partner gut verdient, wären 55 Prozent der jungen Frauen gerne Hausfrau. Gefragt, ob auch abgefragt wurde, inwieweit Jugendliche wissen, was etwa Teilzeit im Hinblick auf Einkommensverzicht bedeutet, verneinte Filzmaier, es handle sich um subjektive Einstellungen bzw. "Wunschdenken".

Minister will Studienergebnissen Rechnung tragen
Und was bedeuten die Ergebnisse für die Vorhaben der Regierung, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung oder in Bezug auf Teilzeitjobs bei der Arbeitsmarktpolitik? Mitterlehner betont, man müsse die Rollenbilder akzeptieren, man wolle nichts vorschreiben - stattdessen müsse es entsprechende Angebote für Wahlfreiheit geben. Eine Konsequenz aus den Ergebnissen müsse es sein, Teilzeit aufzuwerten, es müssten die Lage der Arbeitszeit (Vormittag, Nachmittag) und die Entlohnung attraktiver werden.

Weiters will Mitterlehner das einkommensabhängige Kindergeld besser bewerben und ausbauen. Man werde sich in einer Evaluierung anschauen, inwieweit die Zielsetzungen erreicht worden seien und dann überlegen, ob man etwa mit den Einkommensgrenzen richtig liege. Dass diese angehoben werden, schloss er nicht aus.

Den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze für die Kleinsten wegen der Vorstellungen der Jugendlichen nicht weiterzuführen, hielte Mitterlehner für "unrichtig" - man müsse Angebote für Wahlmöglichkeiten schaffen, denn wenn man sich die Möglichkeiten nicht vorstellen könne, neige man dazu, im traditionellen Bereich zu verharren. Bis Juni laufe die Evaluierung der Anstoßfinanzierung - der Bund hatte den Ländern von 2008 bis 2010 finanziell beim Ausbau der Kinderbetreuung unter die Arme gegriffen -, dann werde man entscheiden, wie es weiter geht. Der Minister wünscht sich eine Fortsetzung, die Frage sei nur, mit welchen strukturellen Zielen und wie die Finanzierungsfrage geklärt werden könne.

Grüne fordern Aktionsplan von Mitterlehner
Das politische Echo auf die Studie war am Montag trotz der überraschenden - für die "Familienpartei ÖVP" hingegen geradezu idealen - Resultate eher mager. Die Jugendsprecherin der Grünen, Tanja Windbüchler-Souschill, ortet Handlungsbedarf: "Wenn sich die Hälfte der befragten jungen Frauen gut vorstellen kann, unbezahlter Arbeit im Haushalt nachzugehen und vom gut verdienenden Mann abhängig zu sein, dann muss die Politik sofort handeln." Selbstbestimmung, Wahlfreiheit und gleiche Chancen für Frauen und Männer am Arbeitsmarkt und in der Familie seien die Eckpfeiler einer modernen Gesellschaft. "Die Tendenz zu Rollenklischees und Abhängigkeitsverhältnissen müssen die Politik aufhorchen lassen".

Sie erwarte sich einen Aktionsplan zur Förderung von Mädchen und jungen Frauen. Denn die mädchendominierten Lehrberufe würden nicht fair bezahlt, prekäre Arbeitsverhältnisse träfen viele junge Frauen, die Karrierelaufbahn sei anscheinend nicht erstrebenswert und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht als Allgemeinbild in den Köpfen junger Frauen verankert, so Windbüchler-Souschill.

Grundsätzlich blickt die Jugend laut Studie übrigens recht optimistisch in die Zukunft: 84 Prozent der Befragten sind sehr oder eher zuversichtlich, im Mai 2010 waren es noch 77 Prozent.

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