So, 17. Juni 2018

Rache im Gefängnis?

19.05.2011 14:53

18-Jähriger soll Mithäftling gequält haben: Freispruch

Mit einem Freispruch "im Zweifel" hat am Donnerstag der Prozess wegen angeblicher sexueller Misshandlung in der der Jugendabteilung der Justizanstalt Wien-Josefstadt im Wiener Straflandesgericht geendet. Ein 18-Jähriger wurde verdächtigt, im vergangenen Juni einen ihm körperlich deutlich unterlegen Mithäftling unter anderem mit einem Besenstiel gequält zu haben. Das Urteil ist rechtskräftig, doch "wir sind beileibe nicht überzeugt, dass sie unschuldig sind", hielt Richter Norbert Gerstberger fest.

Es gebe "keine eindeutigen Belege für die inkriminierte Tat, sodass wir nicht mit gutem Gewissen sagen können, dass Sie es waren", sagte der Vorsitzende.

"Racheakt", weil er sich über Zellengenosse beschwerte?
Der 18-Jährige, der trotz seines jugendlichen Alters bereits vier Vorstrafen auf dem Kerbholz hat - darunter wegen schwerer Körperverletzung und schweren Raubes -, hatte die Anzeige als "Racheakt" seines früheren Zellengenossen bezeichnet. Er habe sich über diesen beschwert, "weil er unsauber war und die Zelle nie aufgeräumt hat". Sein Mithäftling sei daraufhin verlegt worden: "Die anderen haben es auch nicht ausgehalten mit ihm."

Arzt konnte "nur" blaue Flecken feststellen
Das angebliche Opfer hatte erst mehrere Wochen nach dem vorgeworfenen Übergriff einer Sozialarbeiterin davon berichtet. Diese verständigte die Anstaltsleitung, die daraufhin Anzeige erstattete. Ein Arzt, der den angeblich misshandelten Burschen untersuchte, stellte zwar blaue Flecken, aber keinerlei Verletzungen im Genital- bzw. Analbereich fest. Auch die für die betreffende Zelle zuständige Justizwachebeamtin konnte dem Gericht von keinen Wahrnehmungen berichten, die auf einen gewalttätigen Übergriff hingedeutet hätten.

Mit etwa 80 Häftlingen ist die Jugendabteilung der Justizanstalt in Wien überfüllt, "als Konsequenz wird nun aber noch stärker kontrolliert", versicherte der stellvertretende Leiter der Vollzugsdirektion, Peter Prechtl, Anfang Mai.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.