Mi, 20. Juni 2018

Klimawandel-Folge

19.05.2011 12:25

Killerwal verdrängt Eisbär als "König" der Arktis

Als Folge des Klimawandels ist die Rolle der Eisbären als "Könige" der nördlichen Arktis akut gefährdet. Künftig könnten Killerwale die Herrschaft übernehmen, warnt ein kanadischer Forscher. Der Grund: Während das immer schnellere Schrumpfen der Eismassen am Nordpol den riesigen Bären die Lebensgrundlage entzieht, verschwindet für die Meeressäuger ein entscheidendes Hindernis. Sie können jetzt auch im äußersten Norden auf die Jagd nach schwimmendem Futter gehen.

"Wenn die Arktis-Invasion der Killerwale und anderer Säugetiere aus milderen Regionen kommt, wird es hier verstärkt Konkurrenz um Nahrung zwischen den Arten geben", sagte der kanadische Biologe Steven Furgeson der dänischen Zeitung "Politiken". Seine Forschung für die Manitoba University of Canada habe ergeben, dass traditionell in der Polarregion ansässige Arten, darunter auch andere Wale, durch die neue "Hackordnung" im Bestand gefährdet werden können.

Traditionell haben sich die Schwert- oder Killerwale aus der Arktis ferngehalten, weil das Eis gefährlich für ihre sehr empfindlichen dreieckigen Finnen war. Doch das Eis verschwindet immer schneller, wie es erst Anfang Mai wieder in einer neuen Schätzung für den Arktischen Rat hieß. Fergusons Arbeit ist Teil dieses umfassenden neuen Gutachtens, in dem ein Anstieg des globalen Meeresspiegels um 0,9 bis 1,6 Meter bis zum Jahr 2100 vorhergesagt wird (Bericht in der Infobox).

Balance zwischen Tierarten verändert sich
Der Kanadier verweist in auf schon jetzt zu beobachtende Verschiebungen der bisherigen Balance zwischen den Tierarten. In der Arktis seien immer häufiger "Gastvisiten" von Killerwalen und anderen Tieren in den Sommermonaten zu beobachten. Tendenz steigend, denn ihr Polarrevier wird immer größer.

Der Killerwal ist ein sehr gefräßiger und intelligenter Kleinwal. Er wird seit einigen Jahren immer häufiger vor Labrador gesichtet, wo er mit seinen normalerweise sechs bis acht Metern Länge und einem Gewicht von etwa sechs Tonnen vor allem Jagd auf Robben macht. Aber die Meeresräuber stürzen sich im Polarmeer auch auf andere Wale wie den Narwal, den Pottwal und den Beluga (Weißwal) - dabei attackieren sie etwa Walkälber in Gruppen.

Auch andere Walarten wie der Buckelwal, der Zwergwal und der Grauwal werden dank schrumpfender Eisberge häufiger als früher im äußersten Norden auftauchen, sagt Ferguson voraus. Aber weil sie im Gegensatz zum Killerwal keine Raubtiere sind, können sie auch nicht so viel "Ärger" im Ökosystem auslösen. Unweigerlich Konsequenzen, so meint der kanadische Biologe, müsse die mögliche Balance-Verschiebung auch auf die bisher zugelassene Jagd der Arktis-Ureinwohner auf einheimische Wale haben.

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