Mo, 23. Juli 2018

"Wie im Krieg"

18.05.2011 15:16

Behörde entfernt desolate Bauten auf der Copa Cagrana

Die Stadt Wien hat am Mittwoch auf der Copa Cagrana Lkw und Mini-Bagger auffahren lassen: Für zwei baulich nicht genehmigte Container, die innerhalb einer von der Behörde gesetzten Frist vom Pächter der Partymeile nicht entfernt worden waren, schlug die letzte Stunde. Sie werden nun - ebenso wie ein desolates Floß - von der Stadt auf Kosten des Eigentümers fortgeschafft. Letzterer, der diesbezüglich seit Längerem mit der Stadt im Clinch liegt, zeigte sich über die Einsätze verwundert und beteuerte, eine aufrechte Genehmigung für die Container zu haben.

Grund für die Aktion war aber nicht die Räumungsklage gegen den Generalpächter des Areals, versicherte Martin Jank, Geschäftsführer des städtischen Wiener Gewässer Managements. Bei dem in der Mitte geknickten, im Wasser liegenden Floß gab es laut Jank "Sicherheitsbedenken". Der Eigentümer wurde daher aufgefordert, dieses zu entfernen. "Bis vorige Woche" hätte der Pächter Container und Floß selbst wegräumen können, so Jank. Doch geschehen ist nichts. Das baubehördliche Verfahren war zudem laut Jank Ende des Jahres abgeschlossen.

Am Mittwoch waren nun Arbeiter mit dem Wegräumen der nicht genehmigten Metall- Container beschäftigt. Das Floß müsse zunächst untersucht und gesichert werden, danach werde eruiert, wie der Abtransport erfolgen soll.

Einsätze kosten 70.000 Euro

Die Kosten für die von der Baubehörde angeordnete und von der Stadt Wien durchgeführte sogenannte "Ersatzvornahme" werden dem Eigentümer vorgeschrieben. Laut Jank handle es sich dabei um eine Summe von rund 70.000 Euro - etwa 40.000 Euro für das Floß und circa 30.000 Euro für die beiden Container.

Außerdem kündigte Jank an: "In den nächsten Tagen und Wochen sind weitere Ersatzvornahmen zu erwarten." Konkret gehe es um weitere sechs Bescheide, die zur Ersatzvornahme weitergeleitet worden seien - soweit der Eigentümer dieser Aufforderung bis dahin nicht doch noch nachkomme. Wie viel die Eingriffe kosten werden, ist laut Jank nicht abzuschätzen: "Das wäre unseriös."

Die Ersatzvornahme habe "grundsätzlich" nichts mit der laufenden Räumungsklage zu tun, erklärte Jank. Es handle sich um die Vollziehung der landesgesetzlichen Regelungen, konkret um Maßnahmen, die etwa zur Anwendung kommen, wenn nicht genehmigte Bauten errichtet werden.

Langer Streit mit Generalpächter

Die Stadt streitet mit dem Generalpächter der Lokalmeile an der Neuen Donau seit Längerem. Ihm wird vorgeworfen, dass er die Copa Cagrana - benannt nach dem Stadtteil Kagran und dem berühmten Copacabana- Strand in Rio - verwahrlosen lässt. Die Angelegenheit ist inzwischen auch gerichtsanhängig.

Generalpächter spricht von "Druckmittel"

Der Generalpächter der Lokalmeile, Norbert Weber, wurde von der behördlich angeordneten Entfernung der Container und des Floßes am Mittwoch jedenfalls überrascht. "Wir haben eine aufrechte Genehmigung für die Container", versicherte er am Mittwoch, er habe bereits seinen Anwalt eingeschaltet, der mit der Stadt Wien in Kontakt treten soll: "Mit Bitte um Klärung der Sache." Die Container forderte er zurück. "Das Ganze ist ein Druckmittel", verwies Weber auf den laufenden Streit mit der Stadt, der Eigentümerin des Areals. Die will sich von ihm als Generalpächter trennen.

Auch die behördliche Bergung des Floßes versteht er nicht: "Das Floß hat einen Hochwasserschaden. Derzeit arbeitet eine Firma daran, dieses zu bergen." Am Dienstag habe er ein Mail von der Österreichischen Wasserstraßen- Gesellschaft "via donau" erhalten. Diese ist für den Erhalt und die Entwicklung der Wasserstraße Donau zuständig. In dem Schreiben sei er aufgefordert worden, das Floß innerhalb von 24 Stunden zu entfernen.

"Wie in kriegsführenden Ländern"

Bei der Aktion am Mittwoch ortete Weber "Übermotivation" vonseiten der Stadt: "So was kennt man nur aus kriegsführenden Ländern." Seiner Meinung nach ließe sich der Streit mit "ein bis zwei Terminen" bei der zuständigen Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) aus der Welt schaffen. Doch auch nach zahlreichen Anfragen sei es noch zu keinem Treffen mit Sima gekommen: "Ich habe sie noch nie live gesehen", so Weber. Er sei kompromissbereit, aufgegeben werde er aber nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.