Fr, 22. Juni 2018

Umfangreiche Studie

16.05.2011 14:39

Die "Generation Praktikum" ist nur ein Mythos

Die oft diskutierte und von Studenten gefürchtete "Generation Praktikum" gibt es in Österreich nicht: Zu diesem Schluss kommt zumindest das Internationale Zentrum für Hochschulforschung Kassel in einer vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebenen und am Montag in Wien präsentierten Studie. Demnach zeigte sich, dass Fachhochschul- und Universitätsabsolventen vergleichsweise kurz auf Arbeitssuche und beim ersten Job zu beinahe zwei Drittel unbefristet beschäftigt sind.

In der laut Studienautor Harald Schomburg "bisher umfangreichsten Absolventenbefragung Österreichs" wurden mehr als 23.000 Absolventen aus den Abschlussjahrgängen 2003/04 bis 2007/08 online befragt. Beinahe die Hälfte von ihnen (46 Prozent) gaben dabei an, direkt nach dem Abschluss ins Berufsleben eingestiegen zu sein - nach einer "Übergangszeit" von sechs Monaten sind es bereits 80 Prozent.

"Studium ist die beste Eintrittskarte"
Zum Zeitpunkt der Befragung (Dezember 2009 bis Februar 2010) waren mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Absolventen regulär erwerbstätig, während zwölf Prozent den Beruf mit einem weiteren Studium verbinden und nur drei Prozent auf Jobsuche waren. Zwischen Bachelor und Diplom bzw. FH und Unis zeigen sich hingegen keine signifikanten Unterschiede.

Dass die überwiegende Mehrheit (75 Prozent) der Absolventen bei der ersten Beschäftigung nach dem Studienabschluss bereits Vollzeit beschäftigt ist und die unbefristete Tätigkeit dominiert (61 Prozent), zeige "eindeutig: die vielzitierte 'Generation Praktikum' bleibt ein Mythos", so Johannes Kopf, Vorstand des AMS. Ein Studium sei "noch immer die beste Eintrittskarte ins erfolgreiche Berufsleben", der Einstieg in die Arbeitswelt sei lediglich von Studium zu Studium unterschiedlich und im Bereich der Sozialwissenschaften ein wenig schwieriger.

Frauen verdienen deutlich weniger als Männer
Ein besorgniserregenderes Bild zeichnet dagegen die Einkommenssituation. So verdienen Absolventinnen bereits in der ersten Beschäftigung ca. 500 Euro bzw. rund 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Für Schomburg "kein österreichisches Phänomen", wobei die Einkommensunterschiede zwischen Akademikern und Akademikerinnen in Österreich und Deutschland unabhängig von der Studienwahl größer seien als in anderen Ländern. Nach fünf Jahren verdienen Männer laut Studie durchschnittlich 3.720 Euro brutto monatlich - Frauen nur 2.910 Euro.

Erfreulich für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle sind hingegen die Ergebnisse im Bereich der Berufs- und Studienzufriedenheit. Absolventen werden laut Umfrage zumeist fachaffin und niveauadäquat in der Berufswelt eingesetzt - nur 17 Prozent gaben an, ihre erworbenen Qualifikationen nicht im Job einsetzen zu können. Indes meinen lediglich 9 Prozent, mit dem Studium generell unzufrieden gewesen zu sein. Ein Ergebnis, das zeige, "dass Universitäten und Fachhochschulen sehr gut und erfolgsträchtig ausbilden".

FH-Absolventen zufriedener als ihre Uni-Kollegen
Dass FH-Absolventen sich in der Befragung wesentlich zufriedener als ihre Uni-Kollegen zeigen, sei "etwas, das man als Appell verstehen kann". Vor allem die Zufriedenheit mit der Ausstattung sei auf den "geregelten FH-Zugang" zurückzuführen - einen Umstand, den Töchterle an Unis mit Studienplatzfinanzierung und der damit einhergehenden "Obergrenze in Massenfächern" einführen will.

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