Di, 17. Juli 2018

Gegen Sparprogramm

11.05.2011 23:45

Generalstreik legt Griechenland weitgehend lahm

Aus Protest gegen die Sparpläne der Regierung sind am Mittwoch Hunderttausende Menschen in Griechenland in den Streik getreten und haben so das öffentliche Leben in dem Land erneut lahmgelegt. Fähren standen still, Züge fuhren nicht, der Luftverkehr war zeitweise unterbrochen. Allein in Athen und in Thessaloniki gingen etwa 20.000 Menschen auf die Straße, dabei kam es laut Angaben der Polizei zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Dabei wurde ein junger Mann durch einen Schlag auf den Kopf lebensgefährlich verletzt, gaben Ärzte des Krankenhauses der Athener Vorstadt Nikaia bekannt. Der Mann wurde am Nachmittag operiert, wie es hieß.

Die Demonstranten waren einem Aufruf der Gewerkschaften gefolgt, um gegen die geplanten Privatisierungen und Einschnitte im Staatshaushalt zu protestieren. "Wir haben bereits vor einem Jahr gesagt, dass die Maßnahmen der Regierung ungerecht sind und vorhergesagt, dass sie keinen Effekt haben werden", erklärte der Chef der Gewerkschaft GSEE, Yiannis Panagopoulos.

Athen zu Sparprogramm verpflichtet
Griechenland hatte im vergangenen Jahr ein 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Anspruch genommen und sich einem strikten Sparprogramm verschrieben. In der Folge wurden Tausenden Griechen Gehälter und Renten gekürzt, viele verloren ihre Arbeit. Um den riesigen Schuldenberg von rund 340 Milliarden Euro abzutragen, soll Athen nach bisherigen Vorgaben in drei Jahren 26 Milliarden Euro einsparen.

"Sie wollen unsere sozialen Rechte unterdrücken, für die wir jahrzehntelang gekämpft haben", sagte ein 46-jähriger Demonstrant, der in der IT-Branche tätig ist. Es gehe ausschließlich darum, "Banken und Banker" zu retten. "In meiner Firma gab es allein im Jänner hundert Entlassungen, unsere Gehälter wurden um 15 Prozent gekürzt, und es wird noch mehr kommen."

Öffentliches Leben lahmgelegt
Durch den Generalstreik wurden sowohl die Fährverbindungen vom Festland auf die griechischen Inseln als auch der Zug- und öffentliche Nahverkehr eingestellt. Die griechischen Fluggesellschaften Olympic Air und Aegean strichen Dutzende In- und Auslandsverbindungen. Auch die öffentliche Verwaltung sowie Schulen und Krankenhäuser wurden bestreikt. Zeitungen, Radio und Fernsehen stellten ihre Arbeit für 24 Stunden ein.

Als der Protestzug zum Parlament in Athen zog, begannen jugendliche Demonstranten mit Steinen zu werfen, Schaufensterscheiben zu zertrümmern und Mülltonnen anzuzünden. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Mindestens sieben Menschen wurden Berichten zufolge verletzt. Die Polizei sprach von fünf Festnahmen.

Gewaltausbrüche wie vor einem Jahr blieben aber aus. Die Behörden hatten ein Großaufgebot von Polizisten in das Stadtzentrum geschickt, um Ausschreitungen autonomer Gruppen zu verhindern. Am 5. Mai 2010 waren am Rande einer Demonstration drei Bankangestellte getötet worden, nachdem ein Sprengsatz in ihr Büro geschleudert wurde.

Zweiter Ausstand in diesem Jahr
Der Generalstreik ist bereits der neunte seit dem Beginn der griechischen Finanzkrise. Wegen der stockenden Sparbemühungen Griechenlands sind mögliche neue Kreditgarantien im Gespräch. Über den Umfang wird noch spekuliert. Seit Dienstag halten sich Finanzexperten von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF in Athen auf, um die Haushaltslage Griechenlands zu prüfen.

Da eine Rückkehr zur eigenständigen Finanzierung an den Kapitalmärkten derzeit unmöglich scheint, soll Athen nach Medienberichten ein weiteres Hilfspaket im Umfang von bis zu 60 Milliarden Euro erhalten. Damit soll ein drohender Staatsbankrott abgewendet werden. Doch eine neuerliche Geldspritze hätte auch noch härtere Auflagen zur Folge.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.