Di, 21. August 2018

Im Drogensumpf

09.05.2011 16:34

"Will meinem Sohn helfen, aber Gesetz lässt mich im Stich"

"Ich will meinem Sohn ja helfen, aber das Gesetz lässt mich im Stich." Das sagt die Mutter eines 17-Jährigen, der kürzlich bei Graz vollgepumpt mit Ersatzdrogen und Alkohol einen Zimmerbrand entfacht hatte. "Krone"-Redakteur Manfred Niederl sprach mit der Frau, für die Eltern viel zu wenig Rechte haben.

"Krone": Wie hat Ihr Sohn nach dem Brand reagiert?
Mutter: Er hat geweint, mich umarmt und gesagt: "Mama, ich will sterben." Sie können sich vielleicht vorstellen, wie es da einer Mutter geht. Zuvor hab' ich mir noch die Frage gefallen lassen müssen, ob die Familie intakt ist. Und dann war da noch der Vorwurf, dass es eigentlich verantwortungslos wäre, einem 17-Jährigen eine eigene Wohnung zu geben.

"Krone": Wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen?
Mutter: Mein Mann und ich hatten keine andere Wahl. Es hat alles damit begonnen, dass wir daheim die Besuche von Freunden erlaubt haben. Durch sie ist unser Sohn mit Drogen in Berührung gekommen. Wir als Eltern haben das als Letzte mitbekommen. Dann hat's nur noch Probleme gegeben.

"Krone": Was ist passiert?
Mutter: Mein Sohn, der nüchtern ein ganz lieber Mensch ist, war in der Sigmund-Freud-Klinik auf Entzug. Unsere Taschen, sogar alle Zigarettenpackungen, die wir ihm mitgebracht haben, wurden auf Drogen durchsucht. Irgendwie ist der Bub aber im Spital zu Cannabis gekommen und rausgeschmissen worden. Ist das gerecht? Er ist dann von daheim weg.

"Krone": Wo hat er gelebt?
Mutter: Gelebt? Gehaust ist der richtige Ausdruck. Er hat monatelang im Grazer Stadtpark zugebracht. Wir wollten ihn heimholen, er wollte nicht. Die Polizei hat gemeint, dass sie kein Taxiunternehmen ist. Also haben mein Mann und ich mit unserem Sohn notgedrungen im Stadtpark auf einer Parkbank Geburtstag gefeiert.

"Krone": Und dann haben Sie die Wohnung aufgetrieben?
Mutter: Ja. Da lebt er nun und glaubt, sich selbst aus dem Drogensumpf ziehen zu können. Auch wenn er noch nicht volljährig ist, kann er - auch in der Sigmund-Freud-Klinik - nur therapiert werden, wenn er zustimmt. Als Eltern sind wir offenbar nur dann Erziehungsberechtigte, wenn unser Sohn, so wie zuletzt, gegen das Gesetz verstößt und wir moralisch dafür verantwortlich gemacht werden. Ich werde weiter um ihn kämpfen, obwohl es die Gesetzeslage eigentlich nicht erlaubt.

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