Sa, 20. Oktober 2018

7.000 Teilnehmer

08.05.2011 15:03

Gedenkfeier in Mauthausen mit Thema Zivilcourage

Die Gedenkfeier zur Befreiung des Nazi-Konzentrationslagers Mauthausen im Jahr 1945 hat am Sonntag unter dem Themenschwerpunkt "Netzwerk des Terrors" mit Schlagworten wie Zivilcourage und Entscheidungsfreiheit gestanden. Rund 7.000 Personen nahmen teil, darunter ein großer Block von Vertretern etlicher Jugendorganisationen. Sie bekräftigten einmal mehr die Versprechen "Nie wieder" und "Niemals vergessen".

Das offizielle Österreich war bei der Feier unter anderem durch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die neue Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Sozialminister Rudolf Hundsdorfer, Gesundheitsminister Alois Stöger, Integration-Staatssekretär Sebastian Kurz und den oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer vertreten. An dem rund zweistündigen Gedenkzug über den Appellplatz beteiligten sich die Delegationen zahlreicher Länder. In diesen gingen auch 66 Jahre nach der Befreiung noch etliche ehemalige Häftlinge mit.

"Netzwerk des Terros" führt zu Zivilcourage
Das Mauthausen Komitee Österreich erklärte bei der Gedenkfeier, das "Netzwerk des Terrors" zur Verfolgung und Vernichtung politisch Andersdenkender, rassistisch Verfolgter und von Menschen, die aus welchen Gründen auch immer aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurden, zum Themenschwerpunkt. Nicht nur zwischen den Konzentrationslagern und dem Lagersystem der Nazis bestand eine enge institutionelle Verflechtung, es gab auch ein weitreichendes informelles Netzwerk von Spitzeln, Denunzianten, Mittätern und Mitläufern.

Historische Forschungen hätten deutlich gezeigt, dass ohne dieses informelle auch das institutionelle Netzwerk nicht funktioniert hätte. Die Beschäftigung mit dem informellen Netzwerk führe unweigerlich zu den Begriffen der Zivilcourage und der Entscheidungsfreiheit - die Mittäterschaft habe fast immer auf freiwilliger Basis basiert -, die heute ebenso aktuell seien.

Totengedenken in Wien "skandalös"
Eröffnet wurde das diesjährige Mauthausen-Gedenken mit einem ökumenischen Gottesdienst. Der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld rief in seiner Predigt zu mehr Zivilcourage und zum verstärkten Einsatz gegen Intoleranz, Ausgrenzung und Rassismus auf. Es gelte "zu protestieren und die Stimme zu erheben für die Menschen, die heute Unrecht erleiden, die gefangen sind, unterdrückt und verfolgt werden, aber auch für jene, die rassistischer Hetze und der Willkür der Behörden ausgesetzt sind". Als "skandalös" bezeichnete es Hennefeld, dass Sonntagabend ein von einer rechtsextremen Burschenschaft organisiertes Totengedenken am Wiener Heldenplatz stattfinde (siehe Infobox).

In Mauthausen und seinen 49 Außenlagern haben die Nationalsozialisten rund 200.000 Menschen aus 70 Nationen gefangen gehalten. Rund die Hälfte überlebte diese Vernichtungsmaschinerie nicht.

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