20.01.2022 05:56 |

Thema des Tages

Bäcker in der Krise: Wer wird unser Brot backen?

Viele Jahre war die Lehre bei jungen Menschen „out“. Und dadurch klafft in manchen Berufen eine riesige Nachwuchslücke. Besonders betroffen sind davon auch die Kärntner Bäcker. Sie suchen händeringend nach Lehrlingen, damit ihre traditionsreiche Zunft in unserem Bundesland nicht komplett ausstirbt.

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Einst galt der Beruf des Bäckers als hoch angesehen, doch das Blatt hat sich mittlerweile gewendet. „Vor 20 Jahren gab es noch etwa 280 Betriebe in Kärnten. Heute sind es nur noch 90“, schildert Landesinnungsmeister Martin Vallant die triste Situation. Die Ursachen für das Bäckersterben sind relativ rasch erklärt: Viele Betriebe haben keine Nachfolger und immer weniger junge Menschen wollen den Beruf erlernen.

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Wir haben einen sehr interessanten und abwechslungsreichen Beruf. Es ist immer sehr schön, wenn man am Ende des Tages sieht, was man alles erschaffen hat.

Martin Vallant, Landesinnungsmeister der Bäcker

Ausbildungszahlen sind im Sinkflug
Gab es 1980 noch 102.051 Lehrlinge in ganz Österreich in der Sparte Gewerbe und Handwerk, wo auch die Bäcker beheimatet sind , waren es 2021 nur noch 46.874. In Kärnten entschließen sich aktuell gar nur noch zwanzig Lehrlinge pro Jahr für diesen Beruf. „Die Tendenz ist ganz klar sinkend“, erklärt Vallant im Gespräch mit der „Krone“. Dafür halten sich hingegen die Zahlen des Lehrberufes Konditor, der eng mit dem des Bäckers verwandt ist, stabil. „In diesem Job fangen jährlich 80 Lehrlinge an.“ Für Vallant beruhen diese Zahlen zum Teil auf einem Missverständnis, denn: „Die meisten glauben, als Bäcker muss man immer nur in der Nacht arbeiten, aber das stimmt zum Teil einfach nicht mehr.“ Immer mehr Bäckereien stellen ihren Betrieb auf Tagesproduktion um.

Auch die viel kritisierte Sechs-Tage-Woche ist bei vielen heimischen Bäckereien bereits Geschichte. „Es gibt einige Betriebe, die nur fünf Tage in der Woche produzieren“, sagt Vallant, der für seine Zunft kräftig die Werbetrommel rührt: „Wir haben wirklich einen interessanten und abwechslungsreichen Job. Am Ende des Tages machen wir die Menschen glücklich.“

Fakten

  • 90 Bäckerein gibt es noch in Kärnten. Viele von ihnen bilden selbst Lehrlinge aus. Doch es werden immer weniger, denn der Nachwuchs fehlt einfach.
  • Die Ausbildung zum Bäcker dauert rund drei Jahre und endet mit einer Lehrabschlussprüfung.
  • Nach der Ausbildung haben Bäcker noch wie in anderen Lehrberufen die Möglichkeit, sich zum Meister ausbilden zu lassen.

Viele Herausforderungen sind zu meistern
Die Nachwuchssorgen sind nicht das einzige Problem, mit dem die heimischen Bäckerein zu kämpfen haben. Denn auch die Supermärkte machen das Leben der Bäcker nicht gerade einfacher. „Seitdem der Handel Brot und Gebäck anbieten darf, stehen wir unter ständigem Preisdruck“, erklärt Vallant. Denn die Supermarktketten verkaufen Semmeln und Co. oft zu Dumpingpreisen. Die Backwaren kommen oft aus dem Ausland und werden in den Filialen nur aufgebacken. „Da kann ein Bäcker, der ehrliche Handarbeit verrichtet, einfach nicht mehr mithalten“, sagt der Landesinnungsmeister, der hier die Konsumenten zum Umdenken auffordert: „Es muss sich was ändern, sonst gibt es bald gar keine Bäcker mehr.“

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