Di, 21. August 2018

Kritik an Umfeld

01.05.2011 16:42

Kampusch in Interview: "Mein Vater ist so unreif"

Natascha Kampusch hat in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" über ihre schwierige Rückkehr in ein normales Leben gesprochen und dabei Kritik an ihrem Umfeld in Österreich geübt. Ihren Vater Ludwig Koch bezeichnete sie als "unreif", jene Menschen in Österreich, die Zweifel an ihren Schilderungen der Entführung haben, würden ihr "meine Geschichte entreißen".

"Mein Vater ist so unreif. Er ist in einem Entwicklungsstadium stecken geblieben, das nicht meinem entspricht. Beide Eltern waren bei meiner Geburt nicht bereit, die Verantwortung für eine Tochter zu übernehmen. Als Kind hatte ich oft den Eindruck, ich müsste die Verantwortung für sie übernehmen. Das ist jetzt aber nicht mehr möglich. Ich muss an mich und an meine Zukunft denken", erklärte Kampusch dem "Corriere della Sera".

Während ihres achteinhalbjährigen Martyriums im Verlies ihres Peinigers Wolfgang Priklopil in Strasshof in Niederösterreich habe ihr der Gedanke an ihre Mutter Mut gegeben. "Ich versuchte zu erraten, was sie mit ihrer Kraft an meiner Stelle getan hätte. Ich wusste es nicht, doch in jenen Jahren hat sie nie den Gedanken aufgegeben, dass ich noch am Leben war. Mein Vater hatte dagegen schon die Suche nach meiner Leiche eingeleitet", so Kampusch.

"Man hat versucht, mir meine Geschichte zu entreißen"
Die Rückkehr in ein normales Leben sei nicht einfach. "Am Anfang haben mich die Verleumdungen, die Zweifel über meine Aussagen verletzt sowie der Versuch, mir die Verantwortung für das Geschehene zuzuschreiben. Man hat versucht, mir meine Geschichte zu entreißen, mich meiner existenziellen Erfahrung zu berauben", erklärte die junge Frau.

Heute versuche sie, eine Grenze zu anderen Menschen zu ziehen. "Ich fühle mich verlegen, wenn ich eine Person besuche oder wenn ich bei mir zu Hause Besuch empfange", erklärte sie. Ihren Peiniger habe sie gehasst. "Ich glaube aber, dass, wenn man jemanden hasst, man sich auch selber hasst. Oft entsteht Hass aus Machtlosigkeit."

Das Entführungsopfer will von nun an nur noch an seine Zukunft denken. "Es wird lang dauern, bis ich begreifen werde, was ein normales Leben für mich ist. Es wird noch viel Zeit brauchen, bis ich die Normalität erreichen werde. Ich weiß aber nicht, ob sie mir gefallen wird, wenn ich sie einmal erreicht habe", erklärte Kampusch.

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