04.01.2022 14:59 |

Experten-Interview

Psychiater analysiert Silvester-Spreng-Serie

Psychiater Dr. Herwig Oberlerchner erzählt im Interview mit der „Krone“ über die Sprenger, Nachahmungstäter und die Rolle der Medien.

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Die „Krone“: Wer sind die Leute, die um die Silvesterzeit alles Mögliche in die Luft sprengen und was treibt sie an?
Psychiater Herwig Oberlerchner: Es sind vermutlich eher Männer jüngeren, manchmal auch reiferen Alters, die auf diese Art auch zu fraglichem Ruhm gelangen wollen, einen hohen Grad an Aggressionsbereitschaft haben, ihre Impulsivität nicht ausleben und ihrer Aggression nicht im Miteinander Ausdruck verleihen können. Frauen sind da wohl eher nicht darunter.

Ist bei solch spektakulären, aufsehenerregenden Aktionen die Gefahr von Nachahmungstätern besonders groß?
Was spannend in Medien dargestellt wurde, übt natürlich einen starken zusätzlich Reiz aus, kann Lust wecken, sich auch solchen Gefahren auszusetzen. Und diese Leute genießen es auch, darüber in der Zeitung zu lesen, sie erfahren durch die Berichterstattung auch eine Aufwertung ihres Selbstwertes.

Ist also auch die mediale Berichterstattung über diese Ereignisse gefährlich?
Zu ausführliche Beiträge im Nachhinein bringt natürlich Leute auf die Idee, es auch zu probieren, es kann aber auch der gegenteilige Effekt auftreten, wenn man rechtzeitig davor warnt.

Welche Art der Berichterstattung würden Sie sich wünschen?
Wünschenswert wäre Berichterstattung, die schon rechtzeitig vor einem Zeitpunkt wie Silvester auf die Gefahren und die schweren möglichen Folgen hinweist. Das vorsätzliche Sprengen einer Telefonzelle ist natürlich gemeingefährlich und gehört als strafbare Handlung verfolgt. Jugendliche, denen aus Leichtsinn beim Feiern Unfälle passieren, im Nachhinein zu kriminalisieren macht aber wenig Sinn, da sie meist unter Schuld und Schamgefühlen leiden, wenn sie oder ein Freund verletzt wurden.

Gernot Kurz
Gernot Kurz
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