01.01.2022 07:00 |

Netflix-Drama

„Frau im Dunkeln“: Keine Angst vor Tabus

Maggie Gyllenhaals mutiges Regiedebüt „Frau im Dunkeln“ begeistert momentan die Filmwelt und wird mit Preisen überhäuft. Olivia Colman spielt darin eine unbequeme Frau und Mutter - ab sofort auf Netflix.

Wer Elena Ferrantes Romane kennt, weiß: Sie sind bevölkert von widerborstigen Charakteren, die rätselhafte Dinge tun und nicht gerne reden. Nicht die Handlung steht im Vordergrund, sondern Gefühle und Stimmungen. Schauspielerin Maggie Gyllenhaal hat genau diesen besonderen „Vibe“ in ihrem Regiedebüt „Frau im Dunkeln“ nach dem gleichnamigen Roman von Ferrante meisterhaft eingefangen.

Eine unterschwellig bedrohliche Grundstimmung setzt in dem Film rasch ein, nachdem die Hauptfigur, die Literaturprofessorin Leda, an ihrem Urlaubsort in Griechenland angekommen ist. Ihre Strandidylle wird nämlich durch eine laute, provokante Großfamilie gestört, in deren Sog Leda rasch gerät. Denn sie interessiert sich vor allem für die junge Mutter Nina (Dakota Johnson), diemit dem Muttersein überfordert ist. Das löst bei Leda schmerzhafte Erinnerungen an ihre Vergangenheit aus. Was damals passiert ist, wird bruchstückhaft in Rückblenden erzählt.

Perspektive der Frauen im Vordergrund
Gyllenhaal hat keine Angst vor Tabus und thematisiert in ihrem Erstlingswerk, das bei den Filmfestspielen von Venedig für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, die Schattenseiten des Mutterseins. Die Perspektive der Frauen steht im Vordergrund. Für die Hauptrolle der Leda hätte es niemand besseren als Oscarpreisträgerin Olivia Colman („The Favourite“) geben können - die Expertin für ambivalente Charaktere. Sie trägt den Film mit ihrer Schauspielkunst und tröstet den Zuschauer darüber hinweg, dass die Handlung nur schwer vom Fleck kommt und die experimentellen Kameraeinstellungen zu bemüht wirken. Wunderbar besetzt sind auch die Nebenrollen mit Ed Harris, Paul Mescal, Peter Sarsgaard oder Jessie Buckley.

Ein Film ohne viel Getöse - wer sich einen Thriller erwartet, wird enttäuscht - aber mit großer psychologischer Tiefe.

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Kalman Gergely
Kalman Gergely
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