Do, 20. September 2018

Dreister Kabelklau

16.04.2011 17:01

Horde von Kupferdieben "ärgert" ÖBB

Innerhalb kurzer Zeit haben Unbekannte in der Steiermark zulasten der ÖBB Erdungskabel aus Kupfer gestohlen. Zuerst war die Strecke Pernegg - Bruck, dann jene von Leibnitz nach Spielfeld blockiert. Und zuletzt kamen am Freitag zwischen Mürzzuschlag und Spital am Semmering notgedrungen Dieselloks zum Einsatz.

"Die Vorstellung, die Täter würden entlang der Geleise die Kabel ausgraben, ist falsch", erklärt ÖBB-Sprecher Walter Mocnik: "Vielmehr haben es die Kriminellen auf die - übrigens nicht allzu langen - Kupferkabel abgesehen, die vom unteren Abschnitt eines Mastes direkt in die Erde führen."

Mehr als 100.000 Euro Schaden
Weil alle Bahnstrecken regelmäßig kontrolliert werden, fiel auch der Schaden im Bereich zwischen Mürzzuschlag und Spital am Semmering rasch auf. Die Züge, etwa 20 waren betroffen, konnten ihre Fahrt fortsetzen - allerdings laut Notfallplan nur zu einem Bahnhof, in dem eine Diesellok zur Verfügung steht. Walter Mocnik: "Dann musste der Strom abgeschaltet werden. Denn bei einer nicht vorhandenen Erdung kann die Reparatur an einem Mast, der eine 15.000-Volt-Leitung trägt, absolut tödlich sein." Den Schaden beziffern die ÖBB mit weit mehr als 100.000 Euro.

Banden leben von Diebstahl
Künftig sollen statt Kupferkabel Alu-Stahllegierungen angebracht werden, deren Rohstoff für den Schwarzmarkt - und damit auch für die Diebe - völlig wertlos ist. Derzeit bringt ein Kilo Kupfer im ehemaligen Ostblock mehr als sechs Euro. Allein in Ungarn leben Dutzende Banden vom Buntmetalldiebstahl, wobei die Kriminalität - wie ein Beamter des Landeskriminalamtes schildert - oft ihre Wurzeln im Sozialsystem hat: "Wir haben einen Ungarn ertappt, der laut eigenen Angaben monatlich 250 Euro verdient. Das Risiko beim Stehlen von Buntmetall ist gering, zumeist war er mit vier bis fünf Komplizen am Werk. Und jeder von ihnen, sagt er, hat in nur einer Nacht 1.500 Euro verdient."

Im ersten Quartal hat sich die Zahl der Metalldiebstähle gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010 verdreifacht - nun setzt die Polizei Gegenmaßnahmen. Welche das sind, ist natürlich geheim, aber so leicht wird es den Kriminellen künftig nicht mehr gemacht.

von Manfred Niederl, "Steirerkrone"

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