27.11.2021 12:00 |

Ärzte der Uni-Klinik

Impf-Appell: Kammern erteilen Experten das Wort

In der Landwirtschafts- und der Wirtschaftskammer ist man sich einig: „Wir müssen die Impfquote steigern.“ Josef Hechenberger und Christoph Walser luden daher am Freitag zwei führende Mediziner der Klinik Innsbruck zur Pressekonferenz, um aufzuklären.

Für mehr Impfbereitschaft sei es „höchst an der Zeit, dass sich die Politik zurückhält und die Fachleute zu Wort kommen lässt“, betonten Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser am Freitag unisono, ehe sie das Wort an die Mediziner übergaben.

85 Prozent der Intensivpatienten ungeimpft
Herbert Tilg, Leiter der Inneren Medizin I an der Klinik Innsbruck, begann seinen Impfappell mit aktuellen Zahlen: Von 28 Covid-Patienten, die in der Klinik auf der Intensivstation behandelt werden, seien 85 Prozent ungeimpft, der Rest habe Vorerkrankungen.

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Die Impfstoffe sind die bestuntersuchtesten Medikamente in der Geschichte der Medizin.

Intensivmediziner Herbert Tilg

Der Intensivmediziner beruhigte bei Angst vor Impf-Langzeitfolgen: „Die Impfstoffe sind die bestuntersuchtesten Medikamente in der Geschichte der Medizin, weil wir zig Millionen Aufzeichnungen haben.“ Gerüchte, wonach die Impfung einen plötzlichen Herztod auslösen kann, seien unbegründet, wie Tilg erklärte: „Ein plötzlicher Herztod kann prinzipiell in jeder Lebensphase stattfinden.“ Zusammenhänge mit der Impfung konnte man nicht feststellen. In seltensten Fällen können Herzmuskelentzündungen auftreten, wovon man sich in der Regel aber erholt.

Kinderimpfung ist sicher und bringt großen Schutz
Thomas Müller, Leiter der Kinder- und Jugendheilkunde an der Klinik, warb für die Impfung der Fünf- bis Elfjährigen, die nun zugelassen und empfohlen ist. Sie wurde vielfach von amerikanischen, europäischen und österreichischen Ämtern sowie von Fachgutachtern geprüft. In den USA haben bereits Hunderttausende Kinder zwei Stiche erhalten.

„Auch bei uns sind bereits 3700 Kinder zweimal off-label geimpft worden“, erklärte Thomas Müller und versichterte, dass es keine Nebenwirkungen gegeben habe. Denn: „Wenn einem dieser Kinder etwas passiert wäre, müsste man das melden. Wir Ärzte haben dazu eine juristische und moralische Verpflichtung.“

Wenn man Kinder impfen lassen will, „dann jetzt sofort“, appellierte der Mediziner in Hinblick auf das Infektionsgeschehen und die hohe Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen. Zwar hätten sie ein sehr geringes Risiko eines schweren Verlaufes, doch bei Kindern besteht nach einer Corona-Infektion die Gefahr eines Hyperinflammationssyndromes. In Innsbruck waren seit September 2020 zehn Kinder davon betroffen. „Das ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild“, warnt Müller.

Impfung auch für Genesene, Booster nicht vergessen
Herbert Tilg rief auch Genesene zum Impfen auf. Zudem erinnerte er an den dritten Stich. Diesen sollte man sich vier bis sechs Monate nach der Zweitimpfung holen, unabhängig davon, wie viele Antikörper man hat.

 Tiroler Krone
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