25.11.2021 17:00 |

Gewaltschutz

„Die Not der Frauen ist groß“

In den letzten Monaten hieß die Devise: in den eigenen vier Wänden bleiben, niemanden treffen, sich und seine Familie vor dem Virus schützen. Doch was bedeutet das aber für Frauen, die sich und ihre Kinder zuhause zusätzlich vor einem aggressiven oder gewalttätigen Mann schützen müssen?

Im Jahr 2021, im zweiten Jahr der Pandemie, gab es in Salzburg bereits fünf Frauenmorde. Vier der Täter waren aktuelle oder Ex-Partner der Opfer. Im Vergleich dazu gab es 2019 keinen einzigen Mordfall dieser Art.

Gerade während der Pandemie und der Lockdowns erschwerte sich der Alltag für Frauen zunehmend. Neben der Arbeit noch auf die Kinder zu achten und auf engem Raum zusammengepfercht über Wochen leben zu müssen, kann zu brandgefährlichen Situationen führen. Dies zeigt sich deutlich bei den verschiedenen Fraueneinrichtungen im Land Salzburg.

Deutlicher Anstieg an Opfern seit der Pandemie
Während den vergangenen Monaten hat sich die Zahl hilfesuchender Frauen stark erhöht. Nicht nur die ambulante Beratung, die anonym stattfinden kann, auch der Ruf nach aktiver Hilfe. Christina Riezler vom Gewaltschutzzentrum in Salzburg entgegnet aber, dass „sich vor allem durch die Öffentlichkeitsarbeit mehr Frauen trauen, Hilfe zu suchen. Das bedeutet nicht, dass die Zahl Hilfesuchender seit der Pandemie angestiegen ist, die Dunkelziffer wird einfach kleiner.“

Zwar wollen verschiedene Parteien das Angebot an Beratung und Schutz landesweit erhöhen, jedoch fehlt es an freien Plätzen.

Fehlende Unterkünfte für hilfesuchende Opfer
Um flächendeckend ein Netzwerk zu erbauen, das nicht nur Opfer-, sondern auch Täterhilfe schafft, braucht es neben Prävention, intensiver Betreuung sowie Nacharbeit vor allem genug freie Unterkünfte. Die haben sich durch die Neuausschreibung der Frauenhäuser und der damit verbundenen Schließung des Hauses in Hallein reduziert. Stattdessen wurden Schutzwohnungen eingerichtet.

Derzeit sind die Plätze im Frauenhaus der Stadt Salzburg schon „gut ausgelastet“. Auch in Saalfelden gibt es aktuell nur noch einen freien Platz. Zwar betont Landesrätin Andrea Klambauer (Neos), dass in Salzburg noch nie eine Frau weggeschickt werden musste, jedoch wird sich die Zahl der Hilfesuchenden nicht so einfach verringern. Das Land will deshalb weiterhin verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit gegen Gewalt setzen.

Schutz vor Gewalt an Frauen

  • Laut Caritas gibt es in Salzburg bis zu 300 Frauen, die in Unsicherheit leben müssen. Ab Jänner 2022 ermöglicht die Caritas 34 leistbare Wohnungen für Frauen ab 18 Jahren.
  • In Saalfelden wird im Jahr 2022 das neue Schutzhaus für fünf Frauen Platz bieten. Die Betroffenen können dort mit ihren Kinder einziehen.
  • Während der bisherigen Lockdowns waren die Schutzunterkünfte im Bundesland Salzburg bis zu zwei Drittel ausgelastet.
Fabienne Gruber
Fabienne Gruber
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