So, 19. August 2018

Auftakt am Montag

08.04.2011 14:46

Prozess nach Disco-Mord: Mutter hofft auf "Höchststrafe"

Sein Zimmer ist eine Art Museum, das selten jemand von der Familie betritt. Überall Fotos von René, überall sein lachendes Gesicht. Und dazwischen sitzt eine Mutter mit gebrochenem Herzen. Am Montag startet der Prozess rund um den so genannten Disco-Mord an einem 20-jährigen Wiener. Mama Sylvia zur "Krone": "Wir hoffen auf die Höchststrafe!"

Es gibt Momente, da fühlt sich Sylvia M. wie ohnmächtig. Wie Samstag früh zum Beispiel. Sie sitzt im Auto und fährt zum Bäcker Semmeln holen, sie rollt mit ihrem Wagen am Tatort vorbei, dort, wo ihr Sohn erschossen worden ist, und in diesem Moment hört sie im Radio das Lieblingslied von René. "Waving Flag", dieser WM-Song, den sie das letzte Mal beim Begräbnis ihres Kindes hören musste. Es gibt in dieser Welt wohl nicht sehr viele Menschen, die wissen, was in Sylvia M. in diesen Minuten vorgegangen sein muss.

Am Montag beginnt das vorerst letzte Kapitel rund um den Disco-Mord. Da wird alles noch einmal durchgegangen: Wie René M. in der Nacht zum 21. August 2010 nach Hause gehen will und ein Auto durch die Einfamilienhaus-Gegend rast. Wie Schüsse durch die Luft peitschen, weil zwei mutmaßliche Schützen "zum Spaß" in der Nacht herumballern. Und wie sich eine Kugel verirrt und das Herz des 20-Jährigen trifft.

Verdächtiger tröstete Mutter des Opfers
Angeklagt wird der mutmaßliche Schütze: 48 Jahre alt, mehrmals vorbestraft, ein Kampfhund-Besitzer. Kurz nach der Tat marschierte der Anrainer an der Gedenkstätte zur Mutter des Opfers, schüttelte ihr die Hand und tröstete sie. Erst nach dessen Festnahme erfuhr die Frau, wer das war, den sie noch weinend gefragt hatte, ob er auch ein Freund ihres toten Sohnes sei.

Dieser eine Schuss hat nicht nur René getötet, er hat die Familie zerstört: Vater Christian muss zum Psychologen, Schwester Jessica ebenso. Mutter Sylvia: "Dieser Mann weiß gar nicht, was er uns angetan hat. Und er wird es nie verstehen!"

von Michael Pommer und Gerhard Bartel, Kronen Zeitung

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