11.11.2021 14:00 |

Projekte im Standby

Chalet - luxuriöse Idee, Umsetzung zäh!

In das neue Tourismusleitbild des Landes passt es nicht mehr und oft nicht in das Lebensbild der Einheimischen: das Chaletdorf als hochpreisiges Modell der Gästevermietung. In Wenns hat sogar ein Vogel etwas dagegen, der flog kürzlich nach Wien. Dort brütet gerade der Verwaltungsgerichtshof über einer Beschwerde.

Die idyllische Wiese neben dem Weiler Bichl im Gemeindegebiet von Wenns geht auch heuer wieder in die landwirtschaftliche Winterruhe. Dabei hatte der dortige Gemeinderat bereits 2016 alle positiven Beschlüsse inklusive Widmung des fast 8000 Quadratmeter großen Areals für ein Chaletdorf gefasst. Quasi als „Weihnachtsgeschenk“ an die Bürgerinitiative Bichl, die seit dem Bekanntwerden dieses touristischen Planes vehement dagegen arbeitet. Flächenfraß und der Verdacht von illegalen Freizeitwohnsitzen eines „undurchschaubaren Schweizer Investorenkonsortiums“ waren und sind die Vorwürfe. Zwischen dem Sprecher Werner Dobler und Bürgermeister Walter Schöpf entstand sogar eine persönliche Feindschaft

„Alles okay, es könnte begonnen werden“
Nach einigen heftigen Grabenkämpfen ist es nun ruhig geworden. Und so mancher Wenner Bürger fragt sich, ob es derselbe Rohrkrepierer wird, wie in Biberwier, wo ähnliches Vorhaben in einer Rückwidmung endete. „Alles auf Schiene, nun sind alle Genehmigungen rechtskräftig“, sagt Bürgermeister Schöpf, überzeugter Befürworter des Projektes. Die Pläne aus der Bahn geworfen hatte nämlich ein kleiner Vogel namens Neuntöter bzw. dessen „Interessensvertreter“. Die Vogelschutzorganisation BirdLife reichte eine Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht gegen den naturschutzrechtlichen Bescheid ein. Das Vorkommen des Staudenbrüters sei gefährdet.

Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung
„Das Landesverwaltungsgericht hat unsere Beschwerde mittlerweile abgelehnt“, weiß Katharina Bergmüller von BirdLife Tirol, „wir haben uns jedoch entschlossen, eine außerordentliche Revision beim Bundesverwaltungsgericht voranzutreiben“. Die hat allerdings keine aufschiebende Wirkung. Also wird das Chaletprojekt nun gestartet? „Vorerst muss ich einmal festhalten, dass meinem Mandanten, der alles legal erworben hat, bisher nur Prügel vor die Füße geworfen wurden“, erklärt Rechtsanwalt Christian Schöffthaler. Bezüglich des Neuntöters habe ein Expertengutachten eruiert, dass von 42 Brutpaaren nur eines gefährdet sei und für das habe man Ausgleichsmaßnahmen getroffen. Schöffthaler weiter: „Meine Mandantschaft möchte allerdings Rechtssicherheit und das Ergebnis der Revision abwarten“.

„Gesellschafter haben sich zurückgezogen“
Werner Dobler von der Bürgerinitiative vermutet jedoch eine wachsende „Unlust“, das Projekt zu verwirklichen: „Wir wissen aus sicherer Quelle, dass sich die zwei Hauptgesellschafter der Schweizer Investoren in die zweite Reihe zurückgezogen haben.“ Außerdem sei das Bauvorhaben noch lange nicht abgeschlossen – zum Beispiel sei die verkehrstechnische Anbindung derzeit noch nicht geklärt.

Chaletdorf in Jerzens auch in der Warteschleife
Auch im Standby-Modus ist das geplante und bereits gewidmete Projekt in Jerzens. In der Nähe der Hochzeiger-Talstation ziehen zwei heimische Investoren auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern die Errichtung eines Chaletdorfes mit bis zu 20 Häuschen in Erwägung. Dies wird jedoch vor dem Winter auf Eis gelegt. „Wir haben uns kürzlich besprochen und vereinbart, dass vor dem kommenden Frühling gar nichts passiert“, beschreibt Tourismusobmann Rainer Schultes den Status quo.

Entschiedener handelten holländische Investoren beim Chaletdorf „Pure Resort Pitztal“ in Mittelberg, das bereits in Betrieb ist. „Es gab keinen Widerstand, da vorher dort eine grausige Baugrube war“, berichtet St. Leonhards BM Elmar Haid, „meines Wissens läuft es gut, die Betreiber haben alle Auflagen der Gemeinde erfüllt“. Allerdings habe der Gemeinderat schon den Beschluss gefasst, dass keine weiteren Chalets mehr gewollt sind. Ganz im Sinne des „neuen touristischen Weges“ der Tiroler Landesregierung.

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