10.11.2021 11:15 |

Mit Lasertechnologie

Forscher behalten unsichtbare Gletscher im Auge

Von der weltweiten Gletscherschmelze sind auch die Eismassen im österreichischen Teil des Silvrettagebirges betroffen. Seit 2006 sind dort drei Gletscher restlos abgeschmolzen. 43 gibt es noch, doch davon sind nur noch 33 durch sichtbares Oberflächeneis erkennbar. Eine neue Vermessungsmethode soll die vom Geröll verborgenen Eisreste nun überwachen.

So wie die meisten der rund 1000 Gletscher in den österreichischen Alpen setzt die Erderwärmung auch den Eiskappen in der Silvretta zu, an der Tirol, Vorarlberg und die Schweiz Anteile haben. Drei Gletscher auf österreichischer Seite dieses Gebirgszugs sind seit 2006 komplett abgeschmolzen: Der Fluchthornferner Süd, der Litzner Gletscher Ost und eine dritte Eismasse, erklärt Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Fachjournal „The Cryosphere“. In den nächsten 15 Jahren wird dort auch der Jamtalferner verschwinden, immerhin einer der 30 größten Gletscher Österreichs.

Silvretta-Gletscher seit 2006 um rund ein Drittel zurückgegangen
In früheren Inventaren war es durch den hohen Anteil an blankem Eis relativ einfach, die Gletscher klar abzugrenzen, etwa mit Luftaufnahmen, sogenannten „Orthofotos“. Doch die Eismassen werden immer kleiner und von Geröll bedeckt: „Sie werden nach und nach unsichtbar, einem Laien würden sie vielfach gar nicht mehr auffallen.“ Erstmals hat sie nun ein Gletscher-Inventar vorgelegt, das auf zwei Datensätzen von hochpräzisen Laser-Scans („LiDAR“) der Silvretta-Region basiert. Damit hat man festgestellt, dass die Fläche der Silvretta-Gletscher seit 2006 um rund ein Drittel zurückgegangen ist.

Solche Scans werden mithilfe von laserbestückten Flugzeugen erzeugt, die das Gelände sehr genau vermessen. „Von allen Verfahren zur Erzeugung von digitalen Höhenmodellen ist LiDAR mit einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern und einer Auflösung von ein mal ein Metern das bei Weitem genaueste Verfahren“, betonte Fischer die Vorteile etwa gegenüber Radar-Methoden, wie sie von Satelliten aus eingesetzt werden. 

Zahl unsichtbarer Gletscher nimmt zu
Die Zahl dieser unsichtbaren Gletscher nimmt zu, verweist Fischer auf die im Vergleich etwa zur Großglockner-Region oder den Westalpen tiefer gelegenen Silvretta-Gletscher, weshalb dort das Abschmelzen rascher vonstattengehe. Das oberflächliche Verschwinden des Eises mache es aber zunehmend schwieriger, seine weitere Entwicklung zu beobachten.

„Probleme reichen bis ins Tal"
Dabei sollte man „auch die Gletscherreste nicht aus den Augen verlieren“, mahnt Fischer. Denn die schuttbedeckten Eisreste können das Gelände destabilisieren und das Aufkommen von Vegetation verlangsamen. „Das Abgleiten des Schuttes auf den Gletscherresten und ausbrechende Wasseransammlungen können zu Muren und Steinschlag führen, der Straßen, Schutzhütten, Wanderwege und andere Infrastruktur beschädigt. Die Probleme reichen also bis ins Tal.“

Die Wissenschaftler rechnen damit, dass Ende des Jahrhunderts nur mehr etwa zehn Prozent der Fläche der Alpengletscher übrig sein werden, in den Ostalpen noch etwas weniger: „Diese vom anthropogenen Klimawandel getriebene Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten, wir müssen also versuchen, die Situation genau zu beobachten, damit wir Probleme frühzeitig erkennen können.“

Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, könnten in Zukunft in höher liegenden Regionen wie dem Himalaya hilfreich sein, wo einerseits mehr Zeit bleibe, andererseits aber die Abhängigkeit der Menschen vom Schmelzwasser höher sei. Damit könnte man sowohl das Gefahrenpotenzial als auch die verfügbaren Wasserressourcen besser abzuschätzen.

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