Do, 21. Juni 2018

Krieg in Libyen

06.04.2011 08:16

Militärchef der Rebellen: NATO lässt uns im Stich

Der Militärchef der libyschen Rebellen, Abdel Fattah Younes (im Bild), hat der NATO vorgeworfen, die Menschen im umkämpften Misrata - der einzigen Rebellenhochburg im Westen Libyens - im Stich zu lassen. Den Belagerungsring der Gadafi-Truppen um die Stadt hätte die NATO nach seiner Einschätzung bereits vor Tagen mit Luftangriffen aufbrechen können. Das westliche Militärbündnis glaube, "uns einen Dienst zu erweisen mit ein paar Bombardements hier und da, während sie die Einwohner von Misrata jeden Tag sterben lässt", sagte Younes in Bengasi im Osten Libyens.

Der frühere Innenminister kritisierte zudem, das Militärbündnis reagiere nur sehr langsam, in der Kommando-Kette gehe es zu schleppend voran. Das mache den Vormarsch der Gadafi-Truppen möglich. Außerdem bemängelte er, dass die Rebellen keine Waffen vom Militärbündnis erhielten. "Die NATO hat uns enttäuscht. Die NATO hat uns nicht geliefert, was wir wollten."

Waffenlieferungen habe es bisher aus einigen verbündeten Staaten gegeben, genaue Angaben zur Herkunft des Kriegsgerätes machte der Rebellenchef aber nicht. "Das ist aber nicht genug", polterte Younes. Die Aufständischen seien dringend auf die Hilfe der NATO angewiesen, weil ihre Waffen mit der modernen militärischen Ausrüstung von Gadafis Soldaten "in keiner Weise vergleichbar" seien. Wenn das Bündnis weiterhin nicht die UNO-Resolution 1973 umsetze, die den Schutz der libyschen Zivilbevölkerung auch mit militärischen Mitteln vorsieht, werde der Übergangsrat der Rebellen möglicherweise den UNO-Sicherheitsrat anrufen.

NATO: "Die Rebellen sehen uns möglicherweise nicht"
Younes rief die NATO zudem auf, bei der Flugverbotszone eine Ausnahme für die Rebellen zu machen, damit diese Truppen Gadafis mit eigenen Flugzeugen angreifen können. Die von den Vereinten Nationen beschlossene Flugverbotszone über Libyen war in erster Linie dazu gedacht, die Angriffe von Gadafis Luftwaffe gegen Zivilisten und Aufständische zu stoppen. Die NATO erklärte zu der Kritik, sie setze nur das UNO-Mandat um. "Die Rebellen sehen uns möglicherweise nicht", sagte ein NATO-Sprecher. "Wir sind vielleicht 100 oder 150 Kilometer entfernt." Aber in den vergangenen sechs Tagen seien 851 Lufteinsätze geflogen worden, sagte er. "Die Fakten sprechen für sich."

Das Bündnis hatte vor knapp einer Woche das Kommando über den Militäreinsatz übernommen, mit dem die von den Vereinten Nationen verhängte Flugverbotszone über Libyen durchgesetzt werden soll. Bei 334 Flügen kam es zum Beschuss. Auch nach dem vorläufigen Ende der US-Beteiligung am Libyen-Einsatz setzte die NATO ihre Aktion am Dienstag fort. Misrata habe wegen der dortigen Geschehnisse "oberste Priorität", sagte NATO- General Mark van Uhm in Brüssel. Seit Beginn der internationalen Luftschläge am 19. März sei knapp ein Drittel der "militärischen Kapazitäten" von Machthaber Gaddafi außer Gefecht gesetzt worden. Die NATO-Kräfte unterließen Angriffe, wenn Zivilisten erkennbar als menschliche Schutzschilde eingesetzt würden, sagte er.

Nachfolger von geflüchtetem Außenminister ernannt
Unterdessen ernannte die libysche Führung den Vizeaußenminister Abdelati Laabidi al-Obeidi zum Nachfolger des nach Großbritannien geflohenen Außenministers Moussa Koussa. Laabidi al-Obeidi hatte sich im Ausland aufgehalten, um über eine Lösung der Krise in Libyen zu beraten. Koussa war am Mittwoch vergangener Woche über Tunesien ins britische Exil gegangen und als Außenminister zurückgetreten. Der Sohn von Libyens Machthaber Muammar al-Gadafi hatte am Dienstag dem britischen Sender BBC gesagt, Moussa habe das Land nur verlassen, weil er gesundheitliche Probleme habe. "Er hat uns gesagt, dass er krank ist und alle drei Monate nach London ins Krankenhaus muss", sagte er. Daher sei ihm gestattet worden, "zunächst nach Djerba in Tunesien zu reisen".

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