Mi, 15. August 2018

"Wie Barack Obama"

05.04.2011 14:59

Wrabetz kandidiert erneut als ORF-Generaldirektor

Der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wird sich für eine weitere Amtszeit als Chef des öffentlich-rechtlichen Senders bewerben. Er habe am Dienstag den ORF-Stiftungsrat und die Mitarbeiter von einer erneuten Kandidatur informiert, sagte der ORF-General bei einer Pressekonferenz. "Nachdem der Barack Obama sich jetzt auch klar deklariert hat, habe ich entschlossen, mich klar zu positionieren, was meine Überlegungen für die zweite Amtsperiode sind", scherzte er.

Wrabetz ist seit 2006 ORF-Generaldirektor, als er Monika Lindner in einem spektakulären politischen Manöver ausbootete und gegen die regierende ÖVP-Mehrheit im ORF-Stiftungsrat eine "Regenbogenkoalition" aus SPÖ, FPÖ, BZÖ sowie Grünen zuwege brachte.

Neues Team soll im Juni fixiert werden
Wrabetz will über die neuen Strukturen der künftigen Geschäftsführung, die ja nur mehr aus vier statt sechs Direktoren bestehen wird, bis zum Juni nachdenken und seinen Entschluss dann mitteilen. Auch ein Team könnte dann schon vorgestellt werden. Mit Radiodirektor Karl Amon und Finanzdirektor Richard Grasl laufe es jedenfalls "sehr gut". Als neue Vorhaben kündigte er etwa ein Frühstücksfernsehen und den neuen Mittwochabend an.

Einer allfälligen Filetierung des ORF müsse auch weiter entgegengesteuert werden. Die Sparmaßnahmen im ORF seien zu etwa 80 Prozent umgesetzt, die letzten 20 Prozent müssten in den kommenden zwei Jahren geschafft werden, so Wrabetz. Nach dem Korrespondentenbüro in Istanbul werde man "ein, zwei weitere Standorte" in den kommenden Jahren eröffnen und eine Dokumentationsleiste "zu Themen der Zeit" etablieren.

Unterstützung der SPÖ gesichert
Für den diesjährigen Bestellvorgang am 9. August kann Wrabetz derzeit auf die Unterstützung der SPÖ-Vertreter im obersten ORF-Gremium zählen - seit 2010 ist der rote "Freundeskreis" mit 15 Stimmen die dominierende Fraktion im ORF-Stiftungsrat. Für eine Wahl sind mindestens 18 Stimmen notwendig, zuletzt schaffte Wrabetz diese Hürde bei etlichen wichtigen Abstimmungen zu ORF-Fragen.

Die ÖVP, die mit zwölf Gremienmitgliedern den zweitgrößten "Freundeskreis" stellt, hat sich bisher strikt gegen eine Wiederwahl von Wrabetz positioniert und hofft hinter den Kulissen auf eine Kandidatur von RTL-Chef Gerhard Zeiler. Eine Wiederwahl als ORF-General hatte bisher nur der legendäre Gerd Bacher geschafft.

"Wahlkampf" um den ORF ist eröffnet
Der "Wahlkampf" um den ORF ist somit jedenfalls eröffnet und dementsprechend reagierten auch die politischen Parteien auf die Wrabetz-Ankündigung: Breite Unterstützung erhielt der ORF-General aus der SPÖ, der Koalitionspartner ÖVP zeigte sich ablehnend, detto die FPÖ, und im BZÖ gab man sich vorerst neutral.

"Wrabetz steht für einen unabhängigen und freien ORF", erklärte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. SPÖ-Mediensprecher und Klubobmann Josef Cap sah "keinen Grund, warum Alexander Wrabetz nicht nochmals in diese Funktion gewählt werden sollte". Unterstützungsadressen gab es auch von SPÖ-Landeshauptleuten, etwa vom Wiener Michael Häupl oder vom burgenländischen Hans Niessl.

ÖVP zur Wrabetz-Kandidatur: "Gefährliche Drohung"
ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger bezeichnete die Wiederkandidatur von Wrabetz hingegen als "gefährliche Drohung für das Unternehmen selbst sowie für alle ORF-Gebührenzahler, die das Recht auf eine parteipolitisch unabhängige Berichterstattung haben". Der Generaldirektor habe diese Unabhängigkeit nicht gewährleistet, die ORF-Führung habe sich "mit Haut und Haaren" der SPÖ-Parteizentrale in der Löwelstraße unterworfen.

Die Wrabetz-Bilanz lautet aus der Sicht der ÖVP damit folgendermaßen: Der ORF sei in den vergangenen Jahren nicht durch gutes Programm aufgefallen, sondern durch "gegenseitige Beflegelungen des ORF-Managements, durchsichtige und von der Löwelstraße geforderte Postenbesetzungen sowie durch rapide sinkende TV-Quoten".

Gegenwind aus der FPÖ, BZÖ vorerst neutral
Heftiger Gegenwind schlug Wrabetz auch aus der FPÖ entgegen. Wrabetz habe sich der SPÖ angebiedert, mit ihm kandidiere "de facto die SPÖ-Parteipolitik", sagte FPÖ-Mediensprecher und -Generalsekretär Harald Vilimsky. Er hoffe deshalb auf weitere Kandidaten, am Küniglberg sei demnach eine Person mit "Macherqualität" gefordert.

Neutral gab sich BZÖ-Mediensprecher Stefan Petzner: Jede Kandidatur sei grundsätzlich zu begrüßen. Das BZÖ und dessen Vertreter im ORF-Stiftungsrat würden auf Basis sachlicher, fachlicher und wirtschaftlicher Faktoren entscheiden. Ein wichtiger Faktor sei die wirtschaftliche Entwicklung. "Dieser spricht auf alle Fälle für Wrabetz, aber auch Finanzdirektor Richard Grasl, die es gemeinsam geschafft haben, den ORF aus den roten Zahlen zu führen und einen Sanierungskurs einzuleiten."

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