Mi, 15. August 2018

Ungenutztes Recht

04.04.2011 14:07

Österreicher sind in der Arbeit "Pausenmuffel"

Die heimischen Arbeitnehmer sind offenbar ziemliche "Pausenmuffel" - das besagt zumindest eine aktuelle IFES-Studie, die von der Gewerkschaft der Privatangestellten in Auftrag gegeben wurde. Demnach ist für 15 Prozent der Befragten überhaupt keine Unterbrechung ihrer Tätigkeit vorgesehen, 23 Prozent nehmen die Gelegenheit zu einer Ruhephase nur hie und da wahr. Interessantes Detail: je mehr Verantwortung, desto weniger Unterbrechung.

Je mehr "Arbeitszeitautonomie" bzw. Verantwortung jemand hat, desto eher neigt er nämlich dazu, keine Pause zu machen, so die Ergebnisse. Während es bei einfachen Angestellten noch 62 Prozent sind, die eigentlich immer pausieren, sind es bei den leitenden Angestellten nur noch 47 Prozent.

Dabei sei das Bewusstsein für eine vernünftige "Pausenkultur" durchaus vorhanden. "Nur wird sie von den Führungskräften vielfach nicht vorgelebt", betonte Meinungsforscher Georg Michtenthaler am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien.

Mehr Wochenstunden als vertraglich vorgesehen
Schlusslicht beim Pausemachen ist die Branche Gesundheit und Soziales: 27 Prozent der insgesamt 500 Befragten gaben an, keinerlei Unterbrechungen in Anspruch zu nehmen, 33 Prozent legen zumindest für eine halbe Stunde die Arbeit nieder. Dabei sind laut der Gewerkschaft der Privatangestellten Pausenräume oder andere Aufenthaltsbereiche in durchaus akzeptabler Anzahl vorhanden sowie auch "einladend und gepflegt".

"Wir sind Anwesenheitsweltmeister", warnte Karl Proyer, Vize-Bundesgeschäftsführer der GPA, und verwies darauf, dass jeder 15. Krankenstandstag psychische Ursachen habe, ebenso wie der Anstieg bei den Frühpensionen. Diesbezüglich führte Proyer auch den Umstand ins Feld, dass die Österreicher laut Kollektivvertrag durchschnittlich 38,5 Stunden pro Woche arbeiten, tatsächlich aber auf 43 bis 44 Stunden kämen.

Lange Pause – weniger Arbeitslust
Die gesundheitlichen Langzeitfolgen bleiben häufig unbeachtet, dabei habe das Einhalten bzw. die richtige Einteilung von Pausen eine "eminent wichtige Präventivwirkung", bestätigte Arbeitsmedizinerin Gudrun Kaspar. Wer Durst, Hunger oder Müdigkeit permanent ignoriere, dessen Stresshormonspiegel sei dauerhaft zu hoch, was zu hohem Blutdruck, Hauterkrankungen und erhöhtem Infektrisiko bis hin zu Depression und Burnout führen könne.

Grundsätzlich gelte allerdings: je länger die Pause, desto geringer der Erholungswert. Sprich: Die Lust aufs Arbeiten sinkt. Gesunde Ernährung (Getreide, Obst, Nüsse, Trockenfrüchte) würden zusätzliche Energie liefern und die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, meinte Kaspar.

Obwohl in der Praxis sehr unterschiedlich konsumiert, ist die Dauer von Mittagspausen rechtlich sehr klar definiert. Wer länger als sechs Stunden arbeitet, hat Anspruch auf eine halbe Stunde Pause, die auch auf zweimal 15 oder dreimal zehn Minuten aufgeteilt werden kann. Der Arbeitgeber muss diese Arbeitsunterbrechungen zwar nicht bezahlen, jedoch gewähren. Übrigens: Personen, die länger als zwei Stunden täglich Bildschirmarbeit verrichten, dürfen sich nach 50 Minuten zehn Minuten ausrasten.

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