03.11.2021 09:55 |

Im vorarlberg museum

Erstaufführung: Brillant und kammermusikalisch

Ein Kammerensemble von seltener Qualität fand sich am Abend des Allerheiligentages im Saal des vorarlberg museums in Bregenz ein, um „Österreichische Klavierquartette aus zweieinhalb Jahrhunderten“ zu musizieren. Neben Mahler und Brahms erklangen zwei österreichische Erstaufführungen von Richard Dünser.

Das Konzert fand tags zuvor in Zorneding nahe München statt, denn der Pianist Oliver Triendl, ein Freund Richard Dünsers, kuratiert dort eine Konzertreihe. So waren die beiden Werke des aus Bregenz stammenden, nun in der Steiermark lebenden Dünser in Bregenz nicht Uraufführungen, sondern österreichische Erstaufführungen.

„A great melodist“, so soll Leonard Bernstein die Musik Richard Dünsers charakterisiert haben. Und Melodien, wenn auch im weiten Sinne, standen im Zentrum der beiden neuen Werke. „Drei Gesänge aus Wilhelm Meister“ von Hugo Wolf, für Klavierquartett arrangiert von Richard Dünser, sind überwiegend der Tonalität verpflichtet und am Gesang orientiert. Verzichten muss man auf die bei Wolf so zentrale Wort-Ton-Verbindung, jedoch wird man entlohnt durch das viel reichere Klangspektrum, das besonders die Streichinstrumente bringen.

Ein Ereignis, auch durch die atemberaubend guten Interpreten Hyeyoon Park, Violine, Gregor Sigl, Viola, Patrick Demenga, Cello und Oliver Triendl am Klavier, war Richard Dünsers dreisätziges Quartett „Ricordanze“ - Erinnerungen. Verhaltene, inwendige Stimmungen mit wenigen, umso wirkungsvolleren Ausbrüchen kennzeichnen dieses sorgfältig ausgehorchte, kompositorisch auf das feinsinnigste gearbeitete Werk. Dünser scheut sich nicht, sich zur Tradition der neuen Wiener Schule oder Leos Janaceks zu bekennen, die er subtil zitiert.

„Zweieinhalb Jahrhunderte“
So kann sich der Hörer an einem Werk erfreuen, das wirklich Musik ist, nicht nur die Aneinanderreihung von Tönen, wie heutzutage oft. Den kostbaren Rahmen für die beiden Stücke Dünsers bildete je ein Werk von Gustav Mahler und Johannes Brahms (die „zweieinhalb Jahrhunderte“ im Titel des Konzerts schließen wohl auch Goethes Roman mit ein). Mahlers Quartettsatz in a-Moll stammt aus der Zeit seines Studiums in Wien und beinhaltet ein so überbordendes Gefühlsspektrum, wie sie vor allem bei ganz jungen Menschen zu finden sind.

Auch Brahms war bei der Komposition seines Klavierquartetts in g-Moll noch jung, was sich in der sprühenden Energie dieses genialen Werks zeigt. Für das zahlreich erschienene Publikum war es ein großartiges Hörerlebnis, das wieder den vier phantastischen Musikern zu danken ist.

Anna Mika
Anna Mika
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