Sa, 23. Juni 2018

Von Schnee begraben

02.04.2011 16:51

Mann unter Lawine geraten: "Dachte, es ist vorbei!"

"Das ist noch einmal gut gegangen!" Der Villacher Chemie-Professor Heiner Zechmann kann’s noch kaum fassen. Vor zwei Wochen wäre er unter einer Lawine beinahe ums Leben gekommen. Jetzt unterrichtet er wieder in der HTL Villach. Seine Bergfreunde hatten, wie berichtet, den begeisterten Alpinisten vor dem sicheren Tod gerettet – eine Kameradenbergung wie aus dem Lehrbuch.

Mit drei Freunden, einem Berufsschullehrer und zwei Krankenpflegern, wollte der ehemalige Landesschulratspräsident Heiner Zechmann die Kreuzeckgruppe durchqueren. "Wir sind um 5 Uhr früh gestartet und hatten bereits die Hälfte des Weges hinter uns, als wir mitten im Gipfelhang des 2.709 Meter hohen Hochkreuz standen", erinnert sich Zechmann.

"Es war 9.15 Uhr. Wir wussten, dass der Hang nicht ungefährlich ist, aber wir alle hatten schon öfter solche ohne Probleme gequert." Die Gruppe erhöhte den Sicherheitsabstand, die Hände wurden aus den Schlaufen der Skistöcke genommen. Zechmann: "Es kam ganz unerwartet, ohne den typisch dumpfen Knall. Plötzlich setzten sich die Schneemassen in Bewegung. Wir waren mitten drin, und ich hatte wohl die schlechteste Position." Während Zechmann und der Berufsschullehrer mitgerissen wurden, blieben die beiden anderen Begleiter an der Oberfläche.

"Ich konnte mich nicht mehr rühren"
"Die ersten Meter versuchte ich, mich mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche zu halten, dann wurde ich von den Schneemassen verschluckt." Der erfahrene 63-jährige Tourengeher wusste sofort, was zu tun ist: "Nur nicht in Panik geraten. Ich blieb ruhig und wollte mir eine Atemhöhle schaffen. Das war gar nicht so leicht. Ich konnte gerade noch meine Hände vor den Mund und die Nase halten. Plötzlich war es still. Die Lawine stoppte. Ich konnte mich nicht mehr rühren und ich dachte mir, das wird nicht gut ausgehen." Kurz darauf verlor Zechmann das Bewusstsein.

Während der Villacher eineinhalb Meter tief unter dem Schnee lag, handelten seine Kameraden genau richtig: Zuerst kümmerten sich die beiden Krankenpfleger – einer von ihnen ist Josef Ehgartner, der zum Team des ÖAMTC Rettungshelikopters "Christophorus 11" gehört – um den Berufsschullehrer, dessen Hand noch aus den Schneemassen ragte.

Freunde reanimierten Verschütteten
Doch die beiden gruben ihn nicht sofort aus, sondern legten lediglich sein Gesicht frei, damit er atmen konnte und deaktivierten seinen Lawinen-Pieps. Drei Minuten war Zechmann inzwischen ohne Sauerstoff unter der Lawine. Kurz darauf war der Villacher geortet. Nach sieben Minuten hatten die Retter auch ihn befreit. Er war bereits blau im Gesicht. Sofort fingen sie mit der Reanimation an.

"Zum Glück hat mein Körper sofort darauf reagiert", so Zechmann. Als der Rettungshubschrauber "C7" aufsetzte, war der Villacher bereits wieder bei Bewusstsein: "Ich konnte auch alle Fragen des Notarztes beantworten, etwa wie ich heiße oder wo wir gerade sind."

"Ich hatte ja alles verschlafen"
Vergangenen Sonntag feierten die Tourengeher Zechmanns zweiten Geburtstag. "Meine beiden Retter waren ja mehr geschafft als ich, denn sie mussten unter höchster physischer und psychischer Anstrengung arbeiten, um mich lebend zu bergen. Ich hatte in der Zwischenzeit ja alles verschlafen. Zum Glück ist das noch einmal gut ausgegangen."

Ihre Lehren haben die vier Bergkameraden jedenfalls daraus gezogen. Zechmann: "Ich kaufe mir jetzt einen Airbag-Rucksack und werde die Situation künftig viel genauer beurteilen." Ans Aufhören denkt Zechmann aber nicht: "Bergsteigen ist mein Leben! Warum soll ich damit aufhören, nur weil ich einmal einen Fehler gemacht habe?" Und so zieht es Zechmann dieses Wochenende in Richtung Mont-Blanc-Gipfel – mit Tourenskiern, versteht sich.

von Hannes Wallner, Kärntner Krone

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