16.10.2021 12:55 |

Spurensuche

xHamster: Hintermänner des Pornoportals enttarnt

xHamster ist eine der erfolgreichsten Pornoplattformen und zählt zu den 20 am häufigsten besuchten Websites weltweit. Allein wer dahintersteckt, war bislang unklar. Nach monatelangen Recherchen wollen Investigativjournalisten nun zwei Unternehmer aus Russland mit fragwürdiger Vergangenheit als Eigentümer ausfindig gemacht haben. Ihre Verbindungen zu der umstrittenen Pornoplattform sollen sie über ein komplexes Offshore-Firmennetzwerk verschleiert haben.

An der Spitze dieses von Zypern bis in die Karibik reichenden Firmengeflechts soll nach Recherchen des NDR- Reportageformats STRG_F und des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ die zypriotische IT-Firma Wisebits stehen, die zu 90 Prozent dem 38-jährigen Russen Oleg Netepenko gehört. Dmitry Gusev, der mutmaßlich zweite Mitgründer von xHamster, gab sich in der Vergangenheit gegenüber Medien offenbar unter dem Pseudonym Alex Hawkins als Vizechef von xHamster aus. Er hält heute zehn Prozent an Wisebits.

Ausgangspunkt der Recherche war laut einer NDR-Mitteilung die xHamster-Domain. Sie wurde im April 2007 in Russland angemeldet, zuerst anonym, später ließ sich ein Mann mit Moskauer Adresse als Eigentümer eintragen. Sein angeblicher Name: „Oleg Popov“. Zur gleichen Zeit gründete der Unternehmer zahlreiche weitere Pornoplattformen, einige davon mit möglicherweise strafrechtlich relevanten Inhalten. Offenbar aus rechtlichen Gründen wurde mindestens eine der registrierten Websites gelöscht: Sie zeigte womöglich Bilder von Kindern oder Jugendlichen oder verlinkte darauf und landete deshalb in Finnland auf einer Sperrliste für Kinderpornografie.

xHamster stand zuletzt immer wieder in der Kritik wegen missbräuchlicher Inhalte. So wurden beispielsweise Videos, die ohne das Einverständnis der abgebildeten Personen auf die Plattform geladen wurden, nicht oder nur unzureichend gelöscht.

Pensionist als Strohmann
Die Betreiber von xHamster hätten „offensichtlich einigen Aufwand betrieben, um ihre wahre Identität geheim zu halten“, schreibt der NDR. Wollten sich Betroffene bei der Plattform beispielsweise über heimlich gefilmten Content beschweren, seien sie über ein undurchsichtiges Kontaktformular bei einer Firma namens Hammy Media mit Sitz auf Zypern gelandet.

Dessen offizieller Besitzer und Direktor sei ein Mardiros H., der laut zypriotischem Handelsregister allerdings auch Chef zahlreicher anderer Firmen auf der Mittelmeerinsel sei. Als STRG_F den 63-Jährigen in Limassol aufsuchte, erklärte dieser, er sei zwar „Direktor einer Firma“, aber auch Pensionist. Auf xHamster angesprochen, habe Mardiros H. zum Handy gegriffen, um kurz mit seinem Chef zu sprechen, hieß es. Danach habe er das Gespräch plötzlich mit der Begründung, er solle den Journalistinnen nichts sagen, beendet.

Verdacht der Geldwäsche
Gegen mindestens eines der Unternehmen, die zu Wisebits gehören, lag nach Informationen von STRG_F und „Spiegel“ eine Geldwäscheverdachtsmeldung vor, ausgelöst durch eine Überweisung auf die britischen Jungferninseln. Zahlungen des Unternehmens Hammy Media über eine Schweizer Privatbank führten im Jahr 2016 zu zwei weiteren Meldungen.

Beteiligte schweigen
Der Mitteilung nach haben STRG_F und „Spiegel“ alle genannten Firmen und Personen mit den Ergebnissen der Recherchen konfrontiert. Geantwortet habe ein Oleg R., der demnach angab, der Chef von xHamster zu sein. Statt jedoch auf die gestellten Fragen einzugehen, habe er eine namentliche Auflistung aller beteiligten „angeblichen Journalisten“ gefordert.

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