12.10.2021 06:00 |

Klubobmann Kurz

Das neue Leben des jungen Altkanzlers

Am Montag verließ Sebastian Kurz das Kanzleramt. Er übersiedelte in die Zentrale der ÖVP in die Lichtenfelsgasse. Es wartet ein anderer Alltag auf den Ex-Regierungschef. Kanzler sein. Das war einmal was. Telefonate mit Angela Merkel, Emmanuel Macron. Wichtige Staatsgeschäfte. Ab sofort heißt es für Kurz: Klubobmann der Volkspartei. Neben August Wöginger auf Augenhöhe mit Sigrid Maurer (Grüne) und Co. Fällt sicher nicht leicht, von heute auf morgen. Obwohl er am Montagabend zu 100 Prozent gewählt wurde.

Es ist viel administrative Arbeit, Abstimmung mit anderen Parteien. So hört man es von erfahrenen Klubobleuten. Kurz jedoch hat schon durchklingen lassen, dass er das Operative eher dem braven „Gust“ (Wöginger) überlassen werde. Die grüne Klubobfrau Maurer sagt, sie sei deshalb nicht böse. Auch beim Gehalt gibt es Abstriche. Ein Kanzler kassiert 22.618 Euro brutto monatlich, ein Klubobmann 15.380 Euro. Dafür behält Kurz das Dienstauto mit Chauffeur.

Erstes Personalopfer der Inseratenaffäre
Viel Gerede gab es um die Medienabteilung des Kanzlers. Die führenden Köpfe Gerald Fleischmann und Johannes Frischmann spielen keine Rolle mehr unter dem neuen Kanzler. Aktuell sind die beiden auf Urlaub. Fleischmann ist offiziell nicht mehr Medienbeauftragter. Somit das erste Opfer der Affäre. Gegen ihn und Frischmann wird in der Inseraten-Affäre ermittelt - mit Steuermitteln gekaufte Berichterstattung bei Fellners „Österreich“, so der Verdacht (für alle hier Erwähnten inklusive Kurz und die Fellners gilt die Unschuldsvermutung).

Kabinettschef Bernhard Bonelli hingegen bleibt auch unter Neo-Kanzler Alexander Schallenberg in der Schaltzentrale. Obwohl auch gegen ihn ermittelt wird - wegen Falschaussage beim U-Ausschuss. Ein solches Verfahren ist auch gegen seinen Ex-Chef Kurz anhängig. Am Montag tauchten Dokumente auf, die den Verdacht erhärten sollen. Und auch in der Inseraten-Causa gibt es Neuigkeiten.

War die Lebensgefährtin ebenfalls involviert?
Es könnte auch Kurz’ Lebensgefährtin, die im Finanzministerium beschäftigt ist, involviert sein, wie mehrere Medien erfuhren. Sie sei für Vereinbarung einiger Inserate bei „Österreich“ zuständig gewesen. Sie ist nicht beschuldigt.

Der 35-jährige Altkanzler will jedenfalls auf die Immunität, die ihm als Abgeordneten zusteht, verzichten. Das ist egal, betont die Staatsanwaltschaft. Die Behörden müssen die Auslieferung im Parlament beantragen, um weiter ermitteln zu können. Das könnte einige Wochen dauern. Wer weiß, was bis dahin noch alles auftaucht.

Erich Vogl
Erich Vogl
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