08.10.2021 07:00 |

Viele offene Stellen

Salzburgs Jugend will kaum noch in die Lehre

Im Bundesland Salzburg fehlt es massiv an Lehrlingen. Manche Willige werden trotzdem abgewiesen, andere drücken lieber weiter die Schulbank. Entspannung ist nicht in Sicht.

Wo das Problem genau liegt, scheint keiner so recht zu wissen. Auch wenn die Lehre mit Matura den Wert etwas gehoben hat, gibt es derzeit im Bundesland eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. „Eine Tendenz zur Besserung ist derzeit nicht absehbar“, sagt Johanna Neumayr, Leiterin des Vereins kommbleib. Dieser vernetzt Schüler mit Pinzgauer Unternehmen.

Auch Christina Dalla-Bona, Schülerberaterin am Poly Saalfelden, unterstützt Jugendliche bei der Berufsorientierung. „Es gibt zu viele Jobs, und die Unternehmen kämpfen um Arbeitskräfte“, so Dalla-Bona. Dass diese Aussage nicht überall zutrifft, zeigen der „Krone“ bekannte Fälle, bei denen Schüler einfach keine Lehrstelle bekommen.

Widersprüchliche Lage in Salzburgs Betrieben
Schlechte Stimmung am Arbeitsplatz und zu hohe Erwartungen lassen viele Interessierte länger die Schulbank drücken, obwohl sie lieber eine Lehre machen würden, sagen die Jungen bei einem Jobevent in Saalfelden zur „Krone“. Dieser Widerspruch stellt Salzburg vor ein Problem, das nicht so einfach behoben werden kann.

Manche Branchen weisen Lehrlinge ab, andere kämpfen um jede Fachkraft. Obwohl es in der Gastronomie bereits vor der Pandemie einen Mangel gegeben hat, vergrößerte sich die Lücke. Schuld daran seien auch die viele Umschulungen. Derzeit versucht man dieses Problem mit weniger Stunden und Sonderprovisionen zu lösen. Ob die Not dadurch abgewendet werden kann, bleibt fraglich.

„Lehre hat keinen Stellenwert mehr“
Es ist eine traurige Tatsache, dass Lehrlinge in Salzburg Mangelware sind. Elektrikermeister Hannes Stöckl ringt um jeden einzelnen Lehrling.


Interview mit dem Unternehmer Hannes Stöckl:

Haben Sie im Jahr 2021 Lehrlinge gefunden?

Heuer haben wir zwei Lehrlinge aufgenommen, das waren zwei Burschen, 15 und 16 Jahre alt. Die hat es in der Schule nicht mehr gefreut.

Ist es für Sie einfach, Lehrlinge zu finden?
Die Suche wird jedes Jahr schwieriger für uns und die Auswahl geringer. Vor mehr als zehn Jahren haben wir noch gut zehn Bewerber für einen Job gehabt. Jetzt müssen wir oft um einen einzelnen Bewerber kämpfen. Und derjenige, der sich bewirbt, bekommt den Job dann auch.

Warum gibt es so wenige Lehrlinge zurzeit?

Oft gehen die Jugendlichen lieber in die Schule. Die Lehre hat für viele nicht so den Stellenwert wie früher.

Haben Sie eine Lehre gemacht?

Ja, im eigenen Betrieb, und danach den Meister. Unsere Firma gibt es schon seit 34 Jahren.

Fabienne Gruber
Fabienne Gruber
Maximilian Kronberger
Maximilian Kronberger
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