15.09.2021 06:00 |

Schock nach Doppelmord

Nachbarin: „Sie hat immer in großer Angst gelebt“

Am Tag 1 nach der unfassbaren Bluttat von Wien-Favoriten herrschen in dem mächtigen Gemeindebau am Belgradplatz Schock und Trauer. Eines der beiden Opfer suchte in Wien Zuflucht.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass Shugri A. mit ihrer Tochter (4) eine Wohnung im Halbstock des Gemeindebaus bezog. Sie kam - nach der Trennung von ihrem Mann - aus Linz, suchte in Wien Zuflucht und Anonymität. Sie ging nicht oft aus, meist nur mit dem Töchterchen in den nahen Kindergarten oder einkaufen.

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Es ist so schrecklich. Wie konnte er in die Wohnung gelangen? Sie hätte ihn niemals freiwillig reingelassen, hat immer in großer Angst gelebt.

Viktoria S., eine Nachbarin und Freundin des Opfers

Gemeindebau steht unter Schock
Doch ihr Ex spürte sie auf, suchte sie immer wieder heim. Und am Montag brachte er die 37-Jährige kaltblütig um. „Mit jeder Frau stirbt immer eine ganze Welt“, seufzt Nachbarin Viktoria S. Sie ist einer der wenigen Menschen in der Anlage, die mit der Somalierin Kontakt hatte: „Sie hat in Angst gelebt. Angst vor ihm.“

Zweites Opfer war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort ...
Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis etwas passiert. „Man hat es an seiner Aura gespürt, an dem Geruch von Alkohol“, erinnert sich S. an Streitgespräche zwischen dem mutmaßlichen Mörder und der verängstigten Mutter im Hof. „Sie hätte ihn nie freiwillig in die Wohnung gelassen.“ Das zweite Opfer, die 35-jährige Ina H., war wohl nur zur falschen Zeit am falschen Ort ...

Die Parallelen zum Fall Leonie

Wie bei dem furchtbaren Tod der 13-jährigen Schülerin in Wien war auch der somalische Mordverdächtige mehrfach angezeigt - und konnte trotzdem nicht abgeschoben werden.
Aufgrund der Einstellung von zwei (!) Vergewaltigungsanzeigen durch die Justiz musste das Asylaberkennungsverfahren gegen den anerkannten Flüchtling (28) vom Bundesverwaltungsgericht gestoppt werden.
Außerlandesbringungen nach Somalia sind schwierig, rechtlich möglich. 2020 etwa wurden aus allen 27 EU-Ländern zehn Personen in das afrikanische Land zurückgebracht.
Um den rechtlichen Prozess zu beschleunigen, hat das Innenministerium eine sogenannte Verbalnote an die Botschaft Somalias in der Schweiz - bei uns gibt es keine diplomatische Vertretung - geschickt.

Oliver Papacek
Oliver Papacek
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