23.08.2021 22:00 |

Salzburger Festspiele

Berlioz‘ „Faust“ konzertant und starbesetzt

Elina Garanca als anmutige und berührende Marguerite bejubelt - Alain Altinoglu suchte mit den Wiener Philharmonikern vor allem die großen Momente.

Das vorletzte Wochenende der Salzburger Festspiele endete starbesetzt: Die mit Charles Castronovo, Ildar Abdrazakov und Elina Garanca prominent ausgestattete, konzertante Aufführung von Berlioz‘ „La Damnation de Faust“ sorgte am Sonntagabend für Begeisterung im Großen Festspielhaus.

„Ich werde deine Augen und Ohren ergötzen“, lockt Ildar Abdrazakov als Mephistopheles Faust zur gemeinsamen Höllenfahrt. Dieses Versprechen bewahrheitete sich aber eher für das Publikum. Berlioz‘ musikalische Bearbeitung von Goethes Faust-Stoff ist viel mehr eine rauschhafte Auseinandersetzung, als Umsetzung der Tragödie, wie sie sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute. „La Damnation de Faust“ ist deshalb auch nicht die einzige Faust-Vertonung dieser Zeit, aber die vielleicht anspruchsvollste, dem damaligen Publikum sogar zu anspruchsvoll. Das Werk wurde nach nur drei Tagen abgesetzt.

Souverän im Umgang mit den komplizierten Harmonien von Berlioz
Bei den Salzburger Festspielen ist es tatsächlich nur einmal zu hören, mit seinen drei Starsolisten und Alain Altinoglu am Pult der Wiener Philharmoniker jedoch auf hohem Niveau. Castronovo, Abdrazakov und Garanca sind erfahrene Faust-Sänger und damit entsprechend souverän im Umgang mit den komplizierten Harmonien von Berlioz. In diesen ließ Altinoglu die Wiener Philharmoniker vor allem groß und dadurch manchmal auch etwas farblos klingen.

Bei Berlioz ist von Goethes Doktor Faust letztlich nicht viel übrig geblieben. Dieser Faust ist geplagt von Weltschmerz und Sehnsucht, die er durch die Liebe zu Marguerite zu stillen versucht. Nach anfänglicher Zurückhaltung gab sich Castronovo diesem Schmerz geradezu heldisch hin. Auch das Gretchen ist bei Berlioz nicht wieder zu erkennen, denn Marguerite ist kein naives Mädchen, sondern eine Frau, die das Spiel im Gegensatz zu den Männern durchschaut hat. Elina Garanca sang sie entsprechend würdevoll, emanzipiert, klar in Willen und Linienführung und in der Romanze überaus berührend. Zweimal versuchte es das Publikum dafür mit Szenenapplaus, den Altinoglu jedoch nicht zuließ.

Faust mag auch bei Berlioz nichts zu lachen haben, das Publikum hatte es allerdings mit Ildar Abdrazakov, der mit geradezu diabolischer Lust den falschen Freund Mephistopheles gab - stets mit einem Augenzwinkern und zum Schluss aber tatsächlich mit ernsthafterer Tiefe.

Am Ende ist alles anders. Berlioz lässt auf den knapp dreistündigen höllischen Musikrausch eine geradezu meditative Apotheose Marguerites folgen. Entsprechend andächtig gaben sich dabei der Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor und die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor - und andächtig und überaus anerkennend dankte danach auch das Publikum den Sängern und Musikern.

 Salzburg-Krone
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