In den USA wurden laut den Wissenschaftlern bisher etwa 50 Zwangsneurotiker dem riskanten Eingriff unterzogen. Eine Studie mit 26 besonders schweren Fällen in den USA und Belgien zeigte nach Angaben des Psychiaters Benjamin Greenberg von der Brown Universität in Rhode Island, dass der Eingriff bei jeweils drei von vier Patienten eine 25-prozentige Verbesserung herbeiführte. Je länger die Elektroden ihr Hirn reizten, desto stabiler wurden sie. Aber selbst eine Verbesserung von 25 Prozent kann schon ausreichen, um die Behandlung wieder auf Medikamente und Verhaltenstherapien zurückzufahren, sagte der Neurologe Michael Okun von der Universität von Florida.
Die Stimulation des Hirns über Elektroden hatte sich zuvor bei Patienten mit Morbus Parkinson oder anderen Ursachen von Tremor als erfolgreich erwiesen. Die ersten Studien wurden laut Okun an der Emory Universität in den Niederlanden gewagt. Inzwischen hätten etwa 70.000 Menschen Hilfe von den elektrischen Impulsen erhalten. Bei Erkrankungen des motorischen Systems wie Parkinson werde allerdings ein anderes Zentrum im Hirn angesprochen.
Von der Bakterien-Angst bis zur Ordnungssucht
Zwangsneurosen seien nicht unüblich, sagte Okun. Etwa ein Prozent der Bevölkerung leide unter ihnen, die meisten jedoch an milden Formen. Manche Betroffene hätten Angst vor Bakterien, müssten sich ständig die Hände waschen, ließen sich ungern angreifen und hätten den Drang zum Putzen. Andere werden laut Okun von der Sorge geplagt, etwas vergessen zu haben. Sie prüften laufend nach, ob sie die Tür verschlossen und das Gas abgedreht haben.
Eine weitere Form der Zwangsneurose sei die Sucht nach Ordnung und Gleichmaß. Die davon Betroffene könnten beispielsweise keine verrückten Möbel ertragen, sagte Okun. Zum möglichen Kandidaten für den Hirneingriff wird ein Zwangsneurotiker aber erst dann, wenn er nicht mehr in der Lage ist, zu arbeiten und menschliche Kontakte zu halten.











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