Brutale Prügelei

Nach Facebook-Protest prüft jetzt Justizministerium

Österreich
16.02.2011 09:19
Im September ist Andreas M. (19) vor einer Diskothek in St. Johann in Salzburg so verprügelt worden, dass er am rechten Auge blind bleiben wird, die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Wegen eines spektakulären Facebook-Protests prüft nun das Justizministerium den Fall.

Dass Andreas M. im September 2010 vor der St. Johanner Discothek schwer misshandelt wurde, ist ein Faktum: 16-facher Schädelbruch und ein kaputter Sehnerv, wodurch er am rechten Auge blind bleibt. "Das war ein Mordversuch", sagten ihm die Ärzte im Salzburger Spital, als er nach neun Tagen im Koma wieder zu sich kam. Ein Mordversuch, der bisher ohne Konsequenzen für die Täter blieb.

In drei Monate langer, mühevoller Kleinarbeit forschten die Kriminalisten ein Quartett aus, von dem sie felsenfest glauben, dass es sich dabei um die Täter handelt: ein türkisches Brüderpaar, ihr Cousin und ein ebenfalls türkischer Automechaniker. Alle aktenkundig und amtsbekannt wegen Gewalttaten, nicht nur in der Pongauer Szene.

"Fürchte um mein Leben"
Doch keiner der Zeugen der Gewalttat wollte reden. Nicht der namentlich bekannte Taxifahrer, der das Quartett vom Tatort weg chauffierte, und auch nicht ein Freund von Andreas M., der alles beobachtete. "Ich fürchte ja auch um mein Leben", sagt das Opfer, "weil die Täter noch frei sind. Und ich kann leider nur zu gut verstehen, dass sich auch die Zeugen fürchten."

Am 7. Jänner stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein, ohne dass es überhaupt zum Prozess kam. Gerichtspräsident Hans Rathgeb: "Daher kenne ich den Fall auch nicht. Doch ein Opferanwalt kann jedenfalls einen Fortführungsantrag stellen, über den dann ein Dreier-Senat entscheiden muss."

Auf Facebook wird "gerechte Strafe" gefordert
Jürgen Franzelin und Markus Steiner haben die Facebook-Plattform "Gerechte Strafe für die Täter von St. Johann" ins Leben gerufen. 8.255 Jugendliche sind ihr seit Anfang Februar beigetreten: "Es geht uns darum, dass man solche Straftaten einfach nicht unter den Teppich kehren kann. Und auch darum, dass man nicht mit zweierlei Maß messen kann. Und nicht umsonst hat die Öffentlichkeit den Eindruck, dass Straftaten von Tätern mit Migranten-Hintergrund einfach zu lasch oder auch gar nicht bestraft werden."

Bandion-Ortner will Bericht von Staatsanwaltschaft
Jetzt haben die beiden Post aus dem Justiz-Ministerium bekommen, weil man auch dort den Protest-Sturm auf Facebook wahrgenommen hat. Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hat einen Bericht der Salzburger Staatsanwaltschaft angefordert. Die hatte ("Keine Gründe zur weiteren Verfolgung") am 7. Jänner das Verfahren eingestellt. Weil es keine verwertbaren DNA-Spuren gab, ihr die Wirtshausrechnung eines der mutmaßlichen Täter als Alibi genügte und ein weiterer Verdächtiger ein Alibi von seiner Frau bekam. "Wir glauben an eine Gerechtigkeit", sagt Markus Steiner: "Und wir werden weiter für Andreas kämpfen."

von Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

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