Mit viel atmosphärischem Feinsinn und Exponaten aus allen Ecken und Enden des KHM entspricht die ab Dienstag bis zum 1. Mai geöffnete Ausstellung ganz ihrem Titel: "Schaurig Schön".
"Wir sehen ja bei 'Harry Potter' oder bei 'Herr der Ringe' wie relevant und allgegenwärtig diese Mythen sind", so die Sprecherin des zehnköpfigen Kuratorenteams, Gerlinde Gruber. Und so ähnlich wie Harrys Flugtier Hippogreif sehen die Greif-Darstellungen im Schauraum tatsächlich aus.
Von Ausgeburt der Hässlichkeit zur schönen Beschützerin
Die Mischungen aus Tier und Tier, Mensch und Tier, und ihre über die Jahrzehnte zwischen Wunder und Monster changierenden Bedeutungen sind unwiderstehlich: Der Löwenadler, der Ziegenmensch, der Pferdevogel, der aus dem Rumpf der Medusa entsteigt. Lange als reale Wesen galten das Einhorn und der Drache, die Medusa wandelte sich von der versteinernden Ausgeburt der Hässlichkeit zur schönen Beschützerin.
Peter Paul Rubens' berühmtes Medusa-Gemälde (Bild), Goltzius' Darstellung des grausam tötenden Drachens oder Raffaels "Hl. Margarethe" gehören zu den wenigen Gemälden der Schau. Um "medienübergreifend" arbeiten zu können, hatten sich die Kuratoren verständigt, auf die Schauerwesen eines Hieronymus Bosch oder auf Hexen zu verzichten - "sonst hätten wir fast nur Gemälde gehabt", so Gruber.
Schau ist auch auf Bedürfnisse junger Besucher ausgerichtet
Stattdessen bevölkern silberne Schwerter (mit Knauf in Drachenform), Trinkschalen (mit Apoll auf dem Adlergreif im Inneren) oder ein sogenannter "Teufel im Glas" (mit starken Ähnlichkeiten zu einem Satyr) das schaurig-schöne Reich, dessen Eingang von den kalksteinernen Serapeumssphinx flankiert wird. Über allem schweben kreisrund jene Sternenbilder, die Namen der mythischen Wesen tragen.
Es ist bereits das dritte Mal, dass das KHM im Rahmen der "Intermezzo"-Reihe die Schätze seiner unterschiedlichen Sammlungen zu einem Thema vereint. "Wir wollen mit den eigenen Beständen arbeiten", so Generaldirektorin Sabine Haag, "ein Haus wie das Kunsthistorische Museum kann das sehr leicht und bleibt dabei immer auf höchstem Niveau." Das Format, für das Kuratoren des Hauses "demokratisch zusammenarbeiten" und ihr Fachwissen vernetzen, sei mit den bisherigen Ausstellungen "...sinnlich. weiblich. flämisch" (2009) und "Starke Köpfe" (2010) "mit großem Erfolg eingeführt" worden.
Dass "Schaurig Schön" zum Publikumsrenner wird, scheint vorprogrammiert. In weiser Voraussicht hat das Museum nicht nur einen wissenschaftlichen Katalog dazu veröffentlicht, sondern auch ein Ausstellungsbuch für junge Leser. Und am 23. März liest der Experte der Mythenerzählungen, Michael Köhlmeier, in der Kuppelhalle.










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