Zu kritisch

Englischer Reporter aus Russland ausgewiesen

Ausland
08.02.2011 19:35
Trotz eines gültigen Visums ist der Moskauer Korrespondent der britischen Zeitung "The Guardian", Luke Harding, nach eigenen Angaben von den russischen Behörden des Landes verwiesen worden. Zollbeamte hätten Harding (42) bei seiner Ankunft nach London zurückgeschickt, berichtete der "Guardian" am Dienstag.

Der Schritt - etwa eine Woche vor einem Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow in London - belastet die angespannten bilateralen Beziehungen.

Harding war wegen seiner äußerst kritischen Berichte den oft autoritären russischen Behörden länger ein Dorn im Auge. Er sei der erste britische Journalist, der seit Ende des Kalten Krieges aus Russland ausgewiesen werde, schrieb der "Guardian". Der britische Außenminister William Hague bat in einem Telefonat um Aufklärung.

Ehefrau und Kinder sind weiterhin in Russland
Aus Moskau hieß es, Harding habe "gegen Vorschriften verstoßen". So sei er nach London geflogen, ohne vorher beim russischen Außenministerium seine Akkreditierung abzuholen. "Wenn er die Regeln beachtet, die für alle gelten, gibt es keine Probleme", sagte ein Ministeriumssprecher. Hardings Ehefrau und seine Kinder sind weiterhin in Russland.

"Es scheint, der Kreml hat mehr Angst vor mir als ich vor ihm", schrieb Harding beim Onlinedienst Twitter. Ein Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes FSB habe ihm gesagt: "Für Sie ist Russland geschlossen." Der Korrespondent hatte zuletzt zwei Monate lang von London aus die WikiLeaks-Dokumente über Russland ausgewertet. Gestützt auf diese Informationen hatte Harding Russland als autoritären und extrem korrupten "Mafia-Staat" dargestellt.

Nach Informationen der Agentur Interfax stand Hardings Name auf einer Liste unerwünschter Personen. Seine Artikel seien aber nicht der Grund dafür gewesen, hieß es ohne weitere Angaben.

Bereits in der Vergangenheit schikaniert worden
Harding war laut "Guardian" wiederholt wegen seiner Berichte schikaniert und bei einer Reise in die Konfliktregion Nordkaukasus 2010 auch kurz festgehalten worden. In der Vergangenheit hatte er auch in Gesprächen mit der Nachrichtenagentur dpa über Verhöre durch den FSB sowie geheime Besuche in seiner Moskauer Wohnung geklagt. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" bezeichnete die Ausweisung in einer Stellungnahme als inakzeptabel.

Seit dem Mord an dem Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko 2006 in London sind die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien angespannt. 1989 hatte Moskau den Journalisten Angus Roxburgh von der "Sunday Times" ausgewiesen, nachdem London elf russische Spione nach Hause geschickt hatte.

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