Gorch-Fock-Skandal

Tote Kadettin dienstuntauglich wegen Übergewicht

Ausland
08.02.2011 16:28
Der Tod einer Kadettin auf dem deutschen Segelschulschiff "Gorch Fock" hat einen Stein ins Rollen gebracht, nahezu täglich werden neue Missstände aufgedeckt. Laut einem Artikel der "Bild", der ein interner Ermittlungsbericht der Marine vorliegt, sei der für die Überwachung der Segelausbildung zuständige Unteroffizier gar nicht in seine Aufgaben eingewiesen worden und die verunglückte Offiziersanwärterin sei außerdem wegen Übergewichts offiziell dienstuntauglich gewesen.

Der Unteroffizier, der die Kadettin während der tödlichen Übung im Mast beaufsichtigte, sei erst zwei Tage zuvor an Bord gekommen und nicht im Detail auf diese Aufgabe vorbereitet worden. "Eine Einweisung in seine Pflichten und Aufgaben, speziell während der Segelvorausbildung in der Takelage, hat nicht stattgefunden, da man der Meinung war, dass er wissen müsste, was er zu tun und zu lassen hat", zitierte die Zeitung aus einem internen Ermittlungsbericht der Marine. Auch der für die Segelvorausbildung insgesamt verantwortliche Unteroffizier sei nicht eingewiesen worden.

Kein Kommentar von Seiten der Marine
Die Marine äußerte sich zu dem Bericht nicht, ein Sprecher des Flottenkommandos in Glücksburg verwies auf die noch laufenden Ermittlungen. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft in Kiel nannte keine Einzelheiten, sie stehe bei der Untersuchung des Todesfalls in engem Kontakt zum Verteidigungsministerium und den nachgeordneten Dienststellen. Fragen wie die nach der Dienstfähigkeit der Kadettin seien "Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Prüfungen", teilte die Anklagebehörde mit.

Kadettin bei Sturz von Mast gestorben
Die 25-jährige Soldatin war am 7. November während einer Segelübung in einem brasilianischen Hafen aus großer Höhe von einem Mast auf das Deck gestürzt und gestorben. Der Vorfall hatte an Bord zu massiven Spannungen zwischen anderen Kadetten und Ausbildern geführt, der Vorwurf der Meuterei stand im Raum. Nach Angaben des Bundestags-Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus berichteten Offiziersanwärter von Schikanen und Drohungen durch Vorgesetzte.

Die Marine untersucht den Vorfall, die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt die Umstände des Todes der Kadettin.

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