Fliegende Spediteure

Nashornvögel helfen Bäumen beim "Umziehen"

Wissenschaft
08.02.2011 14:59
Fest verwurzelt und doch mobil: Tropische Waldbaumarten breiten sich mithilfe von Vögeln auch in zerstückelten Wald-Agrarlandschaften aus. Nashornvögel fressen die Früchte der Bäume und verbreiten so die Samen. Die weiten Strecken, die die Vögel beim "Übersiedeln" der Bäume zurücklegen, erstaunten sogar die Wissenschaftler. In tropischen Wäldern Südafrikas wurden dafür Vögel mit GPS-Sendern bestückt.

Ein Forscherteam um Katrin Böhning-Gaese vom Biodiversität- und Klimaforschungszentrum BiK-F hat den zur Familie der Nashornvögel gehörenden, größten früchtefressenden Vogel in Südafrika zum Untersuchungsobjekt gemacht. Die Forschungen sollten eine Antwort darauf geben, ob die Vielfalt der Pflanzenarten trotz Fragmentierung der Wälder erhalten bleiben kann.

Teile der Wälder müssen landwirtschaftlichen Flächen weichen - übrig bleiben einzelne Reste. Dieser Prozess spiele sich weltweit ab, so die Wissenschaftler in einer Aussendung. Pflanzen werden auf diese Weise von ihren Artgenossen isoliert, was die Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen erschwere. So zwinge beispielsweise der Klimawandel Pflanzen dazu, ihrer bevorzugten Klimanische "hinterherzuziehen".

Pflanzen brauchen "gefiederte Spediteure"
Dafür seien die fest verwachsenen Gewächse auf Spediteure angewiesen, die ihnen beim Austausch und Transport von Nachkommen und Genen zwischen verschiedenen Waldbereichen helfen. Wichtige Transporteure seien Vögel und andere Wirbeltiere, da bis zu 95 Prozent aller tropischen Baumarten von ihnen ausgebreitet werden.

Nashornvögel sind solche Samen-Transporteure: Sie sind in der Lage, über große Distanzen hinweg Pflanzensamen zu verbreiten, wie Feldversuche in Südafrika ergaben. Wie weit der Pflanzennachwuchs im gefiederten Transporter kommt, hängt von zwei Faktoren ab: von der Verweildauer im Vogeldarm und von der Länge der Flugstrecke.

Vögel legen in nur zwei Stunden bis zu 14,5 Kilometer zurück
Um herauszufinden, wie weit die Vögel mit ihrer Fracht fliegen, wurden im Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell zunächst Nashornvögel mit verschiedenen Früchten tropischer Bäume gefüttert und anschließend gestoppt, wie viel Zeit vergeht, bis die Vögel die in den Früchten enthaltenen unverdaulichen Kerne wieder ausscheiden. Ergebnis: höchstens zweieinhalb Stunden.

In einem weiteren Schritt wurde den Vögeln 27-Gramm-Sender umgeschnallt, die die Bewegung der Tiere per GPS auf plus/minus acht Meter genau erfassen und speichern können. Die Messungen ergaben, dass die schwerfällig wirkenden Nashornvögel große Strecken bewältigen. Die größte Distanz, die ein Vogel während der maximal zweieinhalb Stunden dauernden Verdauung der Samen flog, betrug laut BiK-F 14,5 Kilometer.

Als besonders lang erwiesen sich die Strecken, wenn sich die Vögel in einer Agrarlandschaft mit wenigen Waldresten bewegten. In einem großen, ausgedehnten Waldgebiet mit vielen Bäumen flogen sie eher kürzere Distanzen. "An diesen Ergebnissen wird deutlich, wie stark die Struktur der Landschaft das Verhalten von Nashornvögeln beeinflusst. Bisher wurde die Fähigkeit der Vögel, so weite Strecken zurücklegen zu können, immer unterschätzt", resümierte Katrin Böhning-Gaese. Die Ergebnisse wurden vor Kurzem online in "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

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