Fall Cain

Verdächtiger wollte aus Buben "richtige Kerle" machen

Österreich
03.02.2011 15:06
Der 26-jährige Tatverdächtige im Fall Cain hat den Dreijährigen und seinen sechsjährigen Bruder geschlagen, damit aus ihnen einmal "richtige Kerle" werden. Das gab der Beschuldigte nach Angaben seines Pflichtverteidigers Edgar Veith in der Einvernahme vom Mittwoch zu Protokoll. Der 26-Jährige habe der Mutter außerdem deutlich gemacht, dass er mit der Situation überfordert sei, teilte Veith am Donnerstag mit.

Bevor er die Buben schlug, habe er auch "andere Erziehungsmaßnahmen versucht", diese hätten jedoch nichts gebracht, sagte der Serbe aus. Die Kindsmutter habe um seine Überforderung gewusst, weshalb er auch aus der Wohnung habe ausziehen wollen. Eine Tötungsabsicht wird vom 26-Jährigen weiter bestritten. Er habe die Kinder gern gemocht, es tue ihm alles furchtbar leid, bekräftigte der Mann.

Laut Veith ist der 26-Jährige weiter suizidgefährdet und benötigt nicht nur wegen seiner Muskelschwächekrankheit ärztliche Hilfe. "Er würde alles geben, um die Ereignisse rückgängig zu machen. Bei der sich über den ganzen Tag hin erstreckenden Vernehmung hat er sich sehr bemüht, alle Fragen zu beantworten, obwohl es ihm teilweise sichtlich - mit Tränen in den Augen - schwerfiel", erklärte der Anwalt.

Anwalt: "Juristisch gesehen kein Mord"
Veith betonte, dass seines Erachtens nach juristisch gesehen nicht von Mord die Rede sein könne, die diesbezüglichen Ermittlungen seien daher einzustellen. "Nach seiner Einvernahme ist auch klar, dass der Beschuldigte nie geflohen ist. Vielmehr ist er verwirrt in der Gegend herumgefahren", so der Rechtsbeistand. Er sei weiters der Ansicht, dass die Gründe für eine Untersuchungshaft gegen den 26-Jährigen nicht mehr gegeben seien. Da jedoch außerhalb der Justizanstalt "eine massive Gefährdung" für den Beschuldigten bestehe, werde er zum Schutz seines Mandanten keinen Enthaftungsantrag einbringen. "Diese Situation darf rechtsstaatlich schon als absurd bezeichnet werden", befand Veith.

Der Rechtsanwalt verwies auch darauf, dass noch keine medizinischen Gutachten vorlägen. Über die Todesursache des Dreijährigen könne derzeit deshalb noch nichts gesagt werden, ebenso wenig über den allgemeinen Gesundheitszustand des Buben in der Zeit davor.

Cains Vater schließt sich Verfahren an
Cains Vater wird sich als Privatbeteiligter dem Verfahren anschließen, um Akteneinsicht zu bekommen. Der Vater des getöteten Kindes werde vom Tiroler Luca-Kinderschutzverein mit anwaltschaftlicher Hilfe unterstützt, so dessen Obmann Bernhard Haaser.

Währenddessen laufen auch gegen Cains Mutter weiter Ermittlungen hinsichtlich einer möglichen Verletzung ihrer Fürsorge- und Obhutspflichten, eine Entscheidung über eine mögliche Anklage sei laut Staatsanwaltschaftssprecher Heinz Rusch noch nicht gefallen.

Dreijähriger wurde zu Tode geprügelt

Der dreijährige Cain war am Abend des 8. Jänner in Bregenz tot aufgefunden worden, nachdem der mutmaßliche Täter den Notruf verständigt hatte. Die 24 Jahre alte Mutter war zur Tatzeit außer Haus.

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