Treffer nur geklaut?

Google lockt Bing in die Suchmaschinen-Falle

Web
02.02.2011 10:18
Wenn es um die Suche im Internet geht, kommt derzeit niemand an Google vorbei. Nicht einmal Microsoft – behauptet zumindest Google. Der Suchmaschinenprimus wirft dem Softwarekonzern aus Redmond vor, mit dessen Suchmaschine Bing auf Google-Treffer zurückzugreifen, um die eigenen Ergebnisse zu verfeinern. Laut Google wurde Bing dabei in mehreren Fällen ertappt, nachdem Google in einer aufwendigen Geheimaktion seinem Rivalen eine Falle gestellt hatte. Microsoft weist die Vorwürfe zurück.

Google veröffentlichte die Geschichte nicht wie sonst üblich in einem Blog-Eintrag, sondern erzählte sie exklusiv dem Blogger Danny Sullivan, der sich seit 15 Jahren mit Internet-Suchmaschinen beschäftigt. Sullivan brachte am Dienstag einen ausführlichen Bericht in seinem Weblog "Searchengineland".

Demnach fiel Google im vergangenen Oktober auf, dass es bei zwei Parametern auf einmal höhere Überschneidung zwischen den beiden Suchmaschinen gab: bei den zehn Top-Treffern und dem passendsten Ergebnis, das an oberster Stelle steht. Von da an habe Google Verdacht geschöpft, schrieb Sullivan unter Berufung auf Amit Singhal, der bei dem Marktführer den Suchmaschinen-Algorithmus beaufsichtigt.

In die Falle gelockt
Google stellte deswegen eine Falle auf: Die Treffer für mehrere sinnlose Suchanfragen wie "mbzrxpgjys" wurden manipuliert. Das Kalkül war einfach: Gibt Bing für diese Anfragen die gleichen Treffer wie Google aus, muss Microsoft auf irgendeine Weise auf die Google-Ergebnisse zurückgegriffen haben.

Nach der Vorbereitung sollten Google-Mitarbeiter die Anfragen von zu Hause aus in Microsofts Browser Internet Explorer stellen und das Suchergebnis auch anklicken. Dem Bericht zufolge dauerte es zwei Wochen - vom 17. bis 31. Dezember -, bis Bing für "mbzrxpgjys" oder "hiybbprqag" die gleichen Ergebnisse wie Google anzeigte. Am Dienstagnachmittag tauchte bei Microsofts Suchmaschine nach diesen Suchanfragen nur noch der Link zu Sullivans Artikel auf - der Blogger belegte die Darstellung aber mit Screenshots aus den Tagen davor.

Microsoft: "Wir kopieren Googles Ergebnisse nicht"
Google vermutet als mögliche Erklärung, dass der Internet Explorer und die Bing-Toolbar Informationen über Suchanfragen und danach angesteuerte Websites an Microsoft weiterleiten könnten und die Daten zur Verfeinerung des Such-Algorithmus genutzt werden. Google betrachte das als Trickserei, sagte Singhal. Bing-Chef Stefan Weitz sagte auf Sullivans Anfrage, dass die Suchmaschine auf verschiedenste Informationen zurückgreife. Das "Google-Experiment" wirke wie ein Hack, um diese Signale zu manipulieren. Und eine Sprecherin ergänzte gegenüber "Zdnet": "Wir kopieren Googles Ergebnisse nicht."

In einem Eintrag im Blog des Bing-Teams heißt es, dass für den Ranking-Algorithmus der Microsoft-Suche über 1.000 sogenannte "Signale" und andere Faktoren berücksichtigt werden. Die über die Bing-Toolbar gesammelten Daten würde dabei nur einen geringen Teil ausmachen und würden ausschließlich von Nutzern beigesteuert, die der anonymen Weitergabe von Nutzungsdaten zuvor zugestimmt hätten. Es müsse klar sein, dass das Bing-Team von allen Nutzern lerne, um seine Produkte zu verbessern, so Bing-Vizepräsident Harry Shum. Er bezeichnete die Vorwürfe von Google als "kreative Taktik" eines Wettbewerbers, die man als durch die Blume ausgesprochenes Kompliment verstehe.

Suchmaschinenmarkt hart umkämpft
Das Suchmaschinengeschäft ist die tragende Säule von Google - den Großteil der Milliardengewinne bringen dem Konzern immer noch die Anzeigen, die im Umfeld der Suchergebnisse eingeblendet werden. Microsoft versucht schon seit Jahren mit massiven Investitionen die Dominanz von Google bei der Internet-Suche zu brechen, konnte aber auch mit dem Start von Bing nur einige Prozentpunkte Marktanteil abringen. Der Windows-Konzern schreibt mit seinem Internet-Geschäft daher seit Jahren hohe Verluste.

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