In dem Lokal war es am 30. Mai 2006 zu einer tödlichen Schießerei gekommen. Bei den Ermittlungen soll der Chefinspektor laut Anklage eine äußerst fragwürdige, strafrechtlich höchst bedenkliche Rolle gespielt haben, indem er die Niederschrift eines Zeugen verschwinden ließ und die Ex-Kellnerin fast zwei Jahre danach zu später Stunde auf einem Fußballplatz in Favoriten traf.
Die Frau war zuvor von zwei Männern, die sich wie sie bei der Schießerei im "Cappuccino" befunden hatten, ihren Angaben zufolge zu einer Falschaussage präpariert worden. Obwohl sie sich zum Zeitpunkt der Schussabgabe in ein Hinterzimmer geflüchtet hatte und daher nicht sehen konnte, wer zur Waffe griff, wurde sie instruiert, sie möge einen Kosovo-Albaner als Schützen bezeichnen, um - so zumindest die Vermutung der Staatsanwaltschaft - vom wahren Täter abzulenken.
"Alles mit dem Herrn von der Polizei ausgemacht"
"Die zwei Männer haben mir gesagt, sie werden mich zu einem Polizisten bringen und ich soll sagen, dass der Albaner geschossen hat", erinnerte sich die Frau im Zeugenstand. In Wahrheit habe sie "nichts gesehen". Als sie am späten Abend dem Chefinspektor am abgelegenen Fußballplatz gegenüberstand, sei sie der Aufforderung zur Falschaussage nachgekommen, wobei ihr Eindruck war, "dass der Polizist und die beiden gut miteinander waren. Die haben das alles mit dem Herrn von der Polizei ausgemacht".
Sie habe "aus Angst" falsch ausgesagt: "Selbst Männer haben Angst vor diesen Leuten. Was sollte ich als Frau machen? Ich bin nicht die einzige Zeugin, die unter Druck gesetzt wurde", stellte die 33-Jährige fest.
"Einvernahme" mit Kellnerin geprobt
Der Chefinspektor habe mit ihr "eine Einvernahme" durchgeführt und sie im Anschluss ersucht, mit ihren Angaben zum Bundeskriminalamt zu gehen, das mittlerweile die Ermittlungen übernommen hatte. Der Chefinspektor habe ihr eingeschärft, niemandem gegenüber das Treffen oder gar seinen Namen zu erwähnen: "Er hat gesagt, dass ich nicht sagen soll, dass ich mit ihm gesprochen habe und ihn kenne."
Wer im Café "Cappuccino" einen Lokalbesucher erschossen und einen weiteren schwer verletzt hat, ist bis dato nicht geklärt. Die Anklagebehörde ist jedenfalls überzeugt, dass der Kosovo-Albaner nicht als Täter infrage kommt, obwohl dieser als mutmaßlicher Mörder vor Gericht gestellt wurde, wo die Staatsanwältin dann jedoch die Anklage aus Mangel an Beweisen fallen ließ. Dass sich in jüngster Vergangenheit mehrere Zeugen an die Justiz gewandt und den Albaner als Schützen benannt haben, wertet die Anklagebehörde als gesteuertes Manöver, um von der richtigen Spur abzulenken. Der Prozess gegen den Chefinspektor wird am Mittwoch fortgesetzt.










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