Kaum behandelt

Menschen haben weltweit zu hohe Cholesterinwerte

Wissenschaft
01.02.2011 14:12
Weltweit sterben mehr als 17 Millionen Menschen pro Jahr an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein wesentlicher Risikofaktor dafür sind zu hohe Blutfettwerte (Cholesterin). Im neuesten Bulletin der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichten Studie mit Daten von knapp 80.000 Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 79 Jahren aus sieben Staaten zeigt sich, dass hohe Cholesterinwerte in vielen Ländern kaum diagnostiziert und behandelt werden.

"Die bisher größte bisher durchgeführte Studie - sie repräsentiert eine Bevölkerung von 147 Millionen Menschen - zeigt, dass die meisten Menschen mit hohen Cholesterinwerten nicht jene Therapie bekommen, mit der das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel von Herzinfarkten und Schlaganfällen, reduziert werden kann", hieß es am Dienstag in einer Aussendung der Organisation.

Das wohl noch größere Manko, so die WHO: "Viele dieser Personen in England, Deutschland, Japan, Jordanien, Mexiko, Schottland, Thailand und in den USA sind sich nicht dessen bewusst, dass sie eine Behandlung benötigen würden. Die wäre mit kostengünstigen Medikamenten leicht möglich." Angesprochen wäre hier die Einnahme von sogenannten Statinen, welche vor allem die Konzentration des "bösen" LDL-Cholesterins reduzieren.

Weltweite Mega-Studie
Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 79.039 Erwachsenen aus den Jahren 1998 bis 2007. Als hohe Gesamtcholesterinwerte wurden mehr als 240 Milligramm pro Deziliter Blut angesehen. Das ist an sich schon ein sehr hoher Pegel. "50 Prozent der Österreicher haben erhöhte Cholesterinwerte. 50 Prozent der Österreicher haben außerdem erhöhte LDL-Werte. Bei der Stellung beim Heer sind es schon 25 Prozent", sagte der Salzburger Internist und Stoffwechselexperte Friedrich Hoppichler.

Die Daten der internationalen Studie bestätigen diese bedenkliche Situation. Die Autoren führen an, dass in Deutschland 61,6 Prozent der Menschen ein zu hohes Gesamtcholesterin haben, in Japan 23,7 Prozent, in Schottland 42,6 Prozent, in Thailand 27,7 Prozent, in den USA 23,7 Prozent, in England 35,2 Prozent, in Mexiko 19,2 Prozent und in Jordanien 30,4 Prozent.

Oft nicht diagnostiziert und behandelt
Bei 78 Prozent der Menschen mit zu hohem Gesamtcholesterin in Thailand sind diese bedenklichen Werte nicht diagnostiziert worden und unbehandelt geblieben. In den USA war das nur bei 16 Prozent der Betroffenen der Fall. In Deutschland lag der Anteil der nicht diagnostizierten und nicht behandelten Personen mit zu hohen Blutfettwerten bei rund 50 Prozent.

In Österreich geht man von empfohlenen Gesamtcholesterinwerten von höchstens 200 Milligramm/Deziliter aus. Entscheidend ist aber das "böse" LDL-Cholesterin, das offenbar besonders zur Gefäßverkalkung und somit unter anderem zu koronaren Herzerkrankheitungen beiträgt. Bei Menschen mit einem Risikofaktor sollte dieser Wert nicht über 160 Milligramm pro Deziliter Blut liegen, bei Personen mit zwei Risikofaktoren bei unter 130 Milligramm pro Deziliter. Personen mit bestätigten Gefäßschäden sollten auf einen LDL-Wert von weniger als 100 Milligramm kommen. Höchstrisiko-Patienten - zum Beispiel Diabetiker mit Herzkrankheit - dürften eigentlich nicht mehr als 70 bis 80 Milligramm LDL pro Deziliter Blut aufweisen, hieß es von Expertenseite im Jahr 2009.

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