Online-Talk

Studierende am Wort: 5 Fragen an Minister Kocher

Ein Bundesminister zum Angreifen - diese Chance nutzten 46 Teilnehmer eine Stunde lang beim von der ÖH JKU Linz organisierten Online-Talk mit Arbeitsminister Martin Kocher. Dabei wich er keiner Frage der Studierenden aus und erzählte auch aus seiner eigenen Studentenzeit…

Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeits- und Studentenwelt stark beeinflusst und die Menschen verunsichert. Diese Unsicherheit spiegelte sich auch im Online-Talk mit Martin Kocher, Bundesminister für Arbeit wieder. Moderiert von Mario Hofer (Vorsitzender ÖH JKU Linz) und Valentina Pernsteiner (ÖH WiWi) sprach der Minister den Studierenden gut zu und machte sie darauf aufmerksam, was wirklich zähle.

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Zusatzqualifikationen spielen eine sehr große Rolle. Man soll das tun, was man gerne tut und das dann gut machen. Natürlich sind auch digitale Skills besonders gefragt.

Arbeitsminister Martin Kocher

Er begründet das mit der schnelllebigen Welt, in der wir leben: „Man hat es damals gesehen: Arabistik sollte abgeschafft werden, dann kam der 11. September 2001 und auf einmal waren Arabisten so gefragt wie nie zuvor. Es gibt immer eine nächste Entwicklung in der Welt, die nie vorhersehbar ist. Deshalb ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die sich in ihrem Fach gut auskennen und auch spezialisiert sind auf das, was sie gerne machen.“

Job-Offensive
Wie der Minister beim Online-Talk verriet, setzt er bei der Corona-Job-Offensive, bei der Investitionen von 700 Millionen Euro getätigt werden, auf die Vermittlung besserer Jobqualifikationen - und zwar auf den drei Säulen Digitalisierung, Life Sciences und Klima bzw. Umwelt.

Das Thema Pflege interessierte auch die „Krone“-Leser, die vorab ihre Fragen an den Minister einsenden durften. Alexandra Halouska, Chefredakteurin der „OÖ-Krone“, wählte die zwei besten Fragen aus und stellte diese im Namen der Leser an Kocher. Gemeinsam mit den Fragen der Studenten ergab sich ein offenes und sehr angenehmes Frage-Antwort-Spiel zwischen dem Minister und den Teilnehmern des Online Talks, bei dem sich der Minister auch persönlich zeigte. Die wichtigsten Auszüge daraus hier in der Zusammenfassung:

Studentin Valentina: Wie war das damals bei Ihnen, Herr Bundesminister? Nach welchen Kriterien haben Sie Ihr Studium ausgewählt?
Studienwahl war zufällig, war am naturwissenschaftlichen Gymnasium und wollte eigentlich Physik studieren, aber er hat soziale Systeme nicht verstanden, dann VWL studiert und nicht bereut. Politik-, Sprachwissenschaften und Philosophie nebenbei studiert. Früher haben sie sich einen Spaß daraus gemacht: gesamtes Vorlesungsverzeichnis - damals noch dicker Katalog - der Uni Innsbruck durchgelesen und die lustigsten Kurse, die man machen konnte, herausgefunden. Über den Tellerrand schauen, neue Erkenntnisse und neue Menschen dadurch kennengelernt, weil üblicher Kreis an Menschen damit verlassen. Augen offen halten und Chance nutzen für solche neuen Erkenntnisse.

Student Tobias: Wo lagen die inhaltlichen Schwerpunkte der Forschungsarbeit während Ihrer Zeit als Uni-Professor und helfen Ihnen diese Themen auch heute noch in Ihrer neuen Funktion als Bundesminister?
Damals eine Studie zum Thema Fußball gemacht, ob Schiedsrichter Heimmannschaft bevorzugen: JA, Schiedsrichter haben hohe Anreize fair und gerecht zu entscheiden und trotzdem werden sie jemanden unbewusst bevorzugen. Viel Erkenntnisgewinn für Diskriminierung im beruflichen Umfeld.

Student Georg: Welchen Weg werden Sie beim Thema Pensionsalter wählen? Aktuell trägt sich das Pensionssystem nicht selbst, der Staat zahlt sehr viel dazu. Diese Schulden, die der Staat aufnimmt, müssen wir als junge Generation irgendwann zurückzahlen. Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass es uns zugutekommt, wenn ältere Personen in Pension gehen, damit wir speziell in der Krise leichter an einen Job kommen. Welche Altersteilzeitmodelle halten Sie für nachhaltig?
Wir werden das faktische Pensionsantrittsalter näher an das gesetzliche annähern müssen. Da müssen aber die Unternehmen und die Arbeitsnehmer mitmachen. Die Österreicher sind im Alter nicht die Gesündesten, viel auf Prävention setzen. Aus Fairness für die Jüngeren muss das erreicht werden.

Krone-Leser Joseph: Unser Chef sagt, dass wir einmal pro Woche einen Schnelltest machen müssen. Das, meint er, muss außerhalb der Arbeitszeit passieren. Ich habe aber gelesen, dass ich auch in der Arbeitszeit testen gehen darf. Das möchte er allerdings nicht. Was soll ich nun tun?
Das ist alles im Generalkollektivvertrag zum Corona-Test geregelt. Besteht eine Testpflicht für den Arbeitnehmer, dann muss dies in der Arbeitszeit möglich sein. Der Arbeitnehmer ist nur dazu angehalten, dies nur an Randzeiten zu legen, z.B. auf dem Weg zur Arbeitsstätte oder auf dem Weg nach Hause. Wenn keine Testpflicht im Unternehmen besteht, dann ist es Freizeit.

Krone-Leserin Sylvia: Es heißt, Pflegeberufe sind sichere Jobs. Ich arbeite selbst in der Pflege, die Personalsituation ist knapp. Sehen Sie hier eine Entwicklung, dass es wirklich mehr Mitarbeiter im Pflegebereich geben wird?
Ja, das wissen wir; es gibt da eine Studie der Gesundheit Österreich Gesellschaft und die haben einen Bedarf an 70.000 bis 80.000 Pflegekräften bis Ende des Jahrzehnts errechnet. Wir wissen, es gibt aufgrund der Alterung auch mehr Nachfrage nach Pflegekräften, auch nach diplomierten Pflegekräften, Fachkräften. Aufgrund der großen Nachfrage an Pflegekräften werden sich auch die Rahmenbedingungen verbessern. Dazu muss noch mit vielen Trägern, auch bzgl. Finanzierung gesprochen werden. Die Regierung hat sich auch eine Pflegereform vorgenommen, das ist sicher eines der Hauptziele, um dort noch bessere Arbeitsplätze zu schaffen.

 OÖ-Krone
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Dienstag, 28. September 2021
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