27.05.2021 10:00 |

TSD appelliert:

„Keiner übernachtet freiwillig in Notschlafstelle“

Auch tagsüber halten sich obdachlose Personen nahe der Notschlafstelle im Innsbrucker Schusterbergweg auf - ihr Verhalten stößt einer ansässigen Firma sauer auf. Alkoholkonsum, Raufereien und Geschrei würden beim Arbeiten stören. Vonseiten der Tiroler Sozialen Dienste wird appelliert, sich bei Problemen zu melden.

„Eine Verhöhnung der arbeitenden Gesellschaft“ – so empfindet eine Firma, welche nahe der Notschlafstelle im Schusterbergweg 73 ihren Sitz hat. Als „Sauftreffpunkt“ wird die Einrichtung bezeichnet, ein Alkoholverbot gefordert. Ist alles so einfach? Die „Krone“ trat mit der Polizei und der Einrichtung in Kontakt.

Thomas Golznig, Kommandant-Stv. der Polizeiinspektion Neu Arzl, legt offen, dass die Notschlafstelle präventiv überwacht und täglich von Streifen angefahren wird: „Wir haben dort mehr Einsätze als in anderen Gegenden, aber für eine solche Einrichtung halten sie sich im üblichen Bereich.“ Ihm seien auch keine Anrainerbeschwerden bekannt.

„Verbot keine Lösung“
Dabei handelt es sich mit 90 Plätzen um eine verhältnismäßig große Einrichtung. Florian Stolz von den TSD schildert: „Die Nachfrage ist hoch, teils erreichen wir unsere Kapazitätsgrenzen. Durchschnittlich sind wir zu zwei Dritteln belegt.“

Ein Großteil der Klienten seien dem Team bekannte „Stammgäste“. Dass manche außerhalb der Öffnungszeiten von 18 bis 9.30 Uhr vor Ort bleiben, weiß der Prokurist: „Viele Klienten gehen im Laufe des Tages zu anderen Sozialpartnern. Manche arbeiten, können sich jedoch keine Wohnungskaution leisten. Aber vor allem wenn es schön ist, bleibt auch ein Teil in der Nähe.“ Einige von ihnen haben eine Suchtmittelabhängigkeit, ein Alkoholverbot sei aber keine Lösung.

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Wir suchen das Gespräch mit den Klienten. Die allermeisten Dinge kann man mit ihnen ausreden.

Florian Stolz, Prokurist der TSD

„Dadurch würde man das Problem nur verlagern, dann wird halt am Rand der verbotenen Zone konsumiert“, weiß Stolz. Er betont, dass sich die TSD auch außerhalb der Öffnungszeiten für die Klienten verantwortlich sehen. Am sinnvollesten wäre, direkt auf sie zuzukommen: „Wir suchen dann das Gespräch mit den Klienten. Die allermeisten Dinge kann man mit ihnen ausreden.“

„Fernab von Luxus“
Stolz verstehe den Unmut der Firma, er bittet jedoch um etwas mehr Mitgefühl: „Niemand übernachtet freiwillig dort.“ Für die meisten sei es die allerletzte Station, nachdem sie durch diverse Schicksalsschläge in die Obdachlosigkeit geraten sind. Zuletzt streicht er hervor: „Die Notschlafstelle ist fernab von jedem Luxus.“

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
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