22.05.2021 20:45 |

Museum der Moderne

Die Welt ist mehr als nur Europa

Das Salzburger Museum der Moderne hat zu Jahresbeginn angekündigt, verstärkt Kunst jenseits des westlich-europäischen „Denkraums“ in den Mittelpunkt zu stellen. Mit der am Samstag eröffneten Ausstellung „End of Empire“ des britisch-nigerianischen Künstlers Yinka Shonibare wird dieser Weg konsequent fortgesetzt. Hinter seinen Werken verstecken sich spannende Geschichten.

Manchmal ist die Aussage von Kunstwerken auch für Gelegenheitsbesucher eines Museums glasklar. Etwa wenn sich der dunkelhäutige Yinka Shonibare auf einem Gemälde im viktorianischen Stil selbst im Bett zeigt, umringt von ausnahmslos weißen Angestellten. Wenn also die Rollenverteilung zwischen Herr und Dienerschaft einmal nicht der Realität dieser Zeit entspricht. Dann wird Rassismus deutlicher als in so manchen Sonntagsreden spürbar.

Um die feine Ironie in anderen Werken des Künstlers zu erkennen, braucht es hingegen etwas historisches Hintergrundwissen. So vermischt Shonibare bei seiner Figur „Revolution Kid“ Elemente des Arabischen Frühlings mit einem der berühmtesten Bilder der französischen Julirevolution 1830, auf dem ebenfalls ein Junge mit hochgereckter Pistole zu sehen ist. Auch Admiral Nelson und der britische Adel bekommen durch seine künstlerischen Reinszenierungen ironisch ihr Fett ab.

Eine „African Library“ würdigt Personen, die zur afrikanischen Unabhängigkeit beigetragen haben. Viele Figuren sind kopflos oder tragen Weltkugeln zwischen den Schultern. „Damit wird ihnen die Identität genommen und zugleich Neutralität hergestellt“, weiß Kuratorin Marijana Schneider.

Shonibares Ausstellung mit 60 Arbeiten aus 30 Jahren wird bis 12. September im Museum der Moderne gezeigt. 

Thomas Manhart
Thomas Manhart
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