Mächtige Artenvielfalt

Die Streuobstwiese als wichtiges Ökosystem

Obst klauben, Süßmost trinken und mit der Sense mähen - all diese Bilder kommen einem in den Sinn, wenn man an die urigen Streuobstwiesen denkt, die es bis vor einigen Jahren um jeden Bauernhof gegeben hat. Nicht nur der Mensch profitiert von diesem Teil der Kulturlandschaft, eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen sind auf diesen speziellen Lebensraum angewiesen.

Was Streuobstwiesen so besonders macht
Zum einen stellen sie mit einer hohen Vielfalt an alten Obstsorten ein wichtiges Genreservoir für die Nutzpflanzenzucht dar. Zum andern imitiert die Kombination aus Baumbestand und Wiesenfläche sowohl den Lebensraum lichten Wald als auch offenes Feld. Darüber hinaus lockt ein reichhaltiges Nahrungsangebot: Während im Frühling die Blütenpracht Bienen und allerlei andere Insektenarten anzieht, werden im Herbst die Früchte von einer Vielzahl an Tieren geschätzt. Diese große Lebensgemeinschaft wird durch Vögel ergänzt, die die Baumhöhlen als Brutplatz nutzen.

Pflege und Erhalt notwendig
Der „Lebensraum Streuobstwiese“ ist allerdings stark gefährdet. Allein in den Jahren 1965 bis 2000 geht man in Mitteleuropa von einem Verlust von 70 Prozent der Streuobstwiesenflächen aus. Vor allem der hohe Aufwand bei der Bewirtschaftung, die sehr zeit- und arbeitsintensiv ist, lässt die Streuobstwiesen schwinden. Um Streuobstwiesen zu erhalten bzw. neu anzulegen, braucht es nicht nur aktives Engagement, sondern auch spezielle Förderungen wie zum Beispiel jene für die Naturschutzleistungen der Landwirtschaft (ÖPUL).

„Tag der Streuobstwiese“
Der Wichtigkeit dieses verletzlichen Ökosystems wurde heuer zum ersten Mal Rechnung getragen. Auf Initiative der ARGE Streuobst und des Umweltdachverbands wurde in diesem Jahr am letzten Freitag im April der europaweite „Tag der Streuobstwiese“ begangen. Damit möchte man zum einen die traditionelle Obstanbauweise als Hotspot der Biodiversität hervorheben und zum andern für deren Erhalt plädieren. Auch der Naturschutzbund weist auf die hohe Bedeutung von Streuobstwiesen für die heimische Artenvielfalt hin und setzt Projekte für Wiedehopf und Zwergohreule um.

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Wir möchten in geeigneten Gebieten das Angebot an Naturhöhlen um Spezialnistkästen ergänzen, um eine dauerhafte Besiedelung von Streuobstwiesen wie beispielsweise im Naturpark Obst-Hügel-Land zu begünstigen

Julia Kropfberger vom Naturschutzbund OÖ

Aktuell betreut der Naturschutzbund mehrere Projekte, um das (Über-)Leben von Streuobstwiesenbewohnern zu sichern: Im Burgenland läuft beispielsweise ein Projekt zu Schutz und Förderung der Zwergohreule, die im Landessüden etwa 17 Reviere bewohnt. „Die zweitkleinste heimische Eule gilt als stark gefährdet und bevorzugt kleinstrukturierte, baumreiche, halboffene Landschaften mit extensiver Nutzung als Lebensraum. Als Höhlenbrüter ist sie auf das Vorhandensein von größeren Baumhöhlen oder Nistkästen angewiesen“, so Projektleiter Klaus Michalek.

Im Rahmen des Projekts werden an geeigneten Standorten 20 Nistkästen montiert und regelmäßig kontrolliert, um das Nistplatzangebot zu verbessern und einen Anstieg der Population nachverfolgen zu können.

In Oberösterreich hat sich der Naturschutzbund zum Ziel gesetzt, die durchziehenden Wiedehopfe, die in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht geführt werden, zum Bleiben und Brüten zu animieren. 

 Tierecke
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Donnerstag, 24. Juni 2021
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