11.04.2021 09:00 |

Corona-Nothilfe

„Für das Herz bleibt nichts mehr übrig“

Corona verstärkt die Einsamkeit - und je länger die Krise dauert, desto belastender wird das Gefühl. Wie man helfen kann.

Theresa hat in der Pandemie einen neuen Schatz gefunden: das Handy. In Zeiten des persönlichen Abstands und der Distanz leidet die alleinlebende 80-jährige Kärntnerin besonders unter dem Gefühl der Einsamkeit. Sie tippt eine Nummer am Display ein, es läutet: „Hallo, wie schön, dass jemand abhebt“, sagt sie, „jetzt ist der Tag gerettet.“ Theresa ruft nun schon seit Pandemie-Beginn im März vorigen Jahres immer wieder einmal bei der Telefonseelsorge an, bei der man sich anonym melden kann, wenn ihr „die Decke auf den Kopf fällt“, wie sie sagt.

Die Nummer habe sie eher zufällig in der Zeitung gelesen, weil sie seit dem ersten Lockdown wirklich jede Seite genau studiere. Theresa hat mittlerweile schon acht Jahrzehnte Erfahrung mit dieser Welt gemacht, ist in den letzten Jahren durch mehrere schwere Erkrankungen an den Rollstuhl gefesselt. „Corona, das macht mir sehr zu schaffen“, sagt sie. Sie bekomme zwar Besuch von ihrer Pflegerin, dann komme noch das Essen auf Rädern, aber Zeit für ein Gespräch sei nicht: „Bei der Pflegerin geht es um den Körper und welche Besorgungen notwendig sind, aber für das Herz und für den Verstand bleibt nichts übrig“, so Theresa. Obwohl sie gelernt hat, mit ihrem Rollstuhl Besorgungen zu machen, raten ihre Kinder ihr dringend ab, rauszugehen.

„Blick auf die Berge würde ich vermissen“
Alle Besorgungen werden extern erledigt, dafür haben die beiden gesorgt. Mehr können sie nicht tun, da beide mit ihren Familien auf anderen Kontinenten leben. Theresa möchte ihnen auch nicht allzu viel erzählen, weil sie sich sonst Sorgen machen und die Mutter gerne in einem Heim untergebracht wissen würden, aber so weit sei sie noch nicht, sagt sie: „Später einmal, wenn nichts mehr geht!“ Dann aber, erzählt Theresa, wäre es ihr am liebsten, wenn sie gar nichts mehr mitbekommen würde - denn den Blick durchs Fenster ihrer Wohnung auf „ihren Baum und die Berge“ würde sie zu sehr vermissen.

„Die Gespräche gehen mir ab“
Die einzige ältere Nachbarin, mit der sie vor Corona regelmäßig Kontakt hatte, traut sich in Pandemiezeiten auch nicht mehr, auf einen Kaffee zu kommen. „Freundinnen habe ich keine mehr. Die Gespräche und die Auseinandersetzung mit ihnen gehen mir sehr ab“, sagt sie. Theresa ist froh, dass sie sich mit den Mitarbeitern der Telefonseelsorge unterhalten kann. Diese wird in Kärnten von der Caritas getragen. „Schwer ist es, in Würde und Selbstbestimmung in dieser Zeit alt zu werden“, so Theresa, aber mit dieser Hilfe „ist es gleich ein Stück leichter“.

Damit Menschen wie Theresa einen Ausweg sehen, und Hilfseinrichtungen erhalten bleiben können, bitten „Krone“ und Caritas auch Sie um Ihre Unterstützung im Rahmen unserer Nothilfe - danke sehr!

Hilfe für Sie

  • Sie befinden sich in akuter Not? Die Caritas hat unter 05/177 6300 eine Corona-Nothilfe-Hotline eingerichtet, erreichbar Montag bis Freitag, 9 bis 13 Uhr.
  • Bei der Aktion „Plaudernetz“ muss niemand einsam sein, da hat immer jemand ein offenes Ohr - erreichbar unter 05/177 6100, täglich 12 bis 20 Uhr.
  • Die Plattform „Füreinand“ bringt Helfende und Hilfesuchende zusammen. Alle Informationen zu den Initiativen gibt es unter fuereinand.at
 Ombudsfrau
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Montag, 17. Mai 2021
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