03.01.2011 12:26 |

Jubeljahr 2011

Das Burgenland feiert seinen 90. Geburtstag

Dezember 1921: Ein schmaler Landstreifen, der bis dahin nie eine politische oder administrative Einheit war, kommt als "selbstständiges, gleichberechtigtes Bundesland" zur Republik Österreich. Das Burgenland ist geboren. 2011 steht im jüngsten Bundesland daher ganz im Zeichen des 90-jährigen Bestandsjubiläums. burgenland.krone.at begleitet dich daher auf einen bebilderten Streifzug durch die mit Krisen und Tragödien gespickte, aber auch auf Wirtschaftswachstum und menschlicher Hilfsbereitschaft basierende Geschichte.

Bundespräsident Heinz Fischer sieht im Burgenland ein "Wunschkind der Republik", mehr noch: einen "unverzichtbaren und willkommenen Teil" Österreichs, der sich in den vergangenen 90 Jahren prächtig entwickelt habe.

Die markantesten Daten der burgenländischen Geschichte in Bildern gibt's in der Infobox!

Doch der Weg dorthin war für das mittlerweile erwachsen gewordene Wunschkind beschwerlich. Einst westlichste Region Ungarns, firmiert das Burgenland ab Ende 1921 als östlichste Region Österreichs. Damit einhergehende Infrastrukturprobleme, die Grenzgegenden naturgemäß innewohnen, lassen das Burgenland bis in die 1970er-Jahre zum Armenhaus Österreichs verkommen.

Namensfindung und die Schüsse von Schattendorf
Zur wirtschaftlichen Malaise, die in den 1920er-Jahren viele Burgenländer nach Amerika auswandern lässt, gesellen sich von Beginn an Herausforderungen bei der Identitätsfindung. Um die Namensfindung ranken sich bis heute Mythen. Erst im Jahr 1925 wird Eisenstadt zur Landeshauptstadt gewählt.

Zweifelhaften Ruhm erlangt das Burgenland im Jahr 1927 durch die Schüsse von Schattendorf. Dieter Szorger, Leiter der Sonderausstellung "90 Jahre - 90 Geschichten", die am 22. Februar im Landesmuseum Eisenstadt eröffnet wird (siehe Infobox), gegenüber krone.at: "Die Frontkämpfer hatten zu einer regulären Kundgebung aufgerufen. Das wollten die Sozialdemokraten in der rot-dominierten Gemeinde nicht zulassen und die Fronkämpfer an der Kundgebung hindern. Die Situation schaukelte sich auf, es fielen Schüsse, bei denen zwei Menschen getötet wurden. Der Freispruch der Täter führte schließlich zum Brand des Justizpalastes."

Nationalsozialismus und Wiederaufbau
Während des Nationalsozialismus hört das Burgenland de facto auf zu existieren. Es wird in die Reichsgaue Niederdonau und Steiermark aufgeteilt. "Die Burgenländerinnen und Burgenländer hat es aber immer gegeben. Und sie fühlten sich auch tatsächlich immer als solche", erklärt Szorger. Der Wiederaufbau des Landes unter sowjetischer Besatzung ist umso höher zu bewerten, als die Protagonisten mit einer katastrophalen Ernährungssituation zu kämpfen hatten. Szorger: "Einem Burgenländer stand durchschnittlich die geringste Kalorien-Menge pro Tag auf der ganzen Welt zu."

Burgenländische Hilfsbereitschaft
Die viel zitierte Hilfsbereitschaft der Burgenländer wird vor allem an zwei markanten Daten unter Beweis gestellt: beim Ungarn-Aufstand 1956 und beim Fall des Eisernen Vorhanges 1989. Die Flüchtlinge waren jeweils auf die rasche und unbürokratische Hilfe der Burgenlädner an der Grenze angewiesen. Und sie bekamen sie. "Darauf, was unsere Eltern und Großeltern damals geleistet haben, dürfen wir heute schon stolz sein", ist sich Szorger sicher.

EU-Beitritt 1995 und Ziel-1-Gebiet Burgenland
1995 tritt Österreich der EU bei. Von den Förderungen, die das Burgenland aus Brüssel dank des Ziel-1-Status erhält (Szorger: "ein großes Verdienst des damaligen Landeshauptmanns Karl Stix"), profitiert das Land bis heute. Kultur- und Technologiezentren sprießen aus dem Boden, Straßen werden gebaut, Fachhochschulen errichtet. Aktuell befindet sich das Burgenland im "phasing out". Die Förderperiode läuft aus.

von Michael Fally, krone.at

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